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Von der Privatfehde zum Politikum
In Plauen versucht die rechtsextreme NPD aus Überfall und Vergewaltigung Kapital zu schlagen
Plauen (dapd-lsc). Im sächsischen Plauen hat eine Gruppe von Asylbewerbern im Oktober vor einer Diskothek randaliert und das Wachpersonal verprügelt. Seitdem versucht die rechtsextreme NPD, die Volksseele in der 66.000 -Einwohner-Stadt im Vogtland mit Kundgebungen und Flugblattaktionen zum Kochen zu bringen. Spätestens nachdem ein Asylbewerber wenige Tage nach dem Überfall auf die Disko eine 44-Jährige auf offener Straße vergewaltigt hat, scheint ihr das auch zu gelingen.
"Ich war immer stolz darauf, dass Plauen keine rechte Stadt ist. Wenn man jetzt aber die Unterstützung für die NPD sieht, scheint gerade ein ganz böser Keim aufzugehen", sagt eine Frau am Rande einer Demonstration gegen die Rechtsextremen in Plauen. So wie sie sind einige erschrocken, wie viele Menschen die Aktionen der rechten Partei nach den Vorfällen am 14. Oktober und der späteren Vergewaltigung honorieren. "Hier war es viele Jahre richtig ruhig. Und plötzlich sieht man, wie viele wegen so etwas aus der Deckung kommen", sagt die etwa 60-jährige Frau.
Aus Sicht der Polizei ist der Auslöser für den scheinbaren Aufruhr indes denkbar banal. So tragen offenbar seit Monaten Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes und junge Asylbewerber eine Privatfehde aus. "Wir kennen den Pudels Kern noch nicht, schließen aber einen privaten Konflikt zwischen ein paar Wenigen nicht aus", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Gleichwohl räumt die Polizei ein, dass der Zwist der jungen Männer längst größere Tragweite hat. "Mit dem Überfall haben wir im Plauen eine völlig neue Qualität der Auseinandersetzungen bekommen", sagt Wurdak.
Linke Gruppierungen in der Stadt dafür allein den Sicherheitsdienst verantwortlich. Die mit Rechten durchsetzte Truppe soll die Asylbewerber über Monate hinweg schikaniert haben und ihnen den Zutritt zur einzigen Diskothek der Stadt verweigert haben, heißt es. Und tatsächlich macht man in der Disko in der Plauener Innenstadt aus der rechten Gesinnung keinen Hehl. So schwadroniert bereits der Hausmeister im Eingangsbereich über schwerstkriminelle Ausländer, die deutsche Frauen belästigen.
So einfach ist die Rollenverteilung allerdings nur auf den ersten Blick. Denn auch das einzige Asylbewerberheim im gesamten Landkreis Vogtland scheint längst ein soziales Pulverfass zu sein. Immer wieder kommt es in dem äußerlich herunter gekommen Kasernenbau am Stadtrand zu Konflikten und tätlichen Übergriffen unter den rund 250 Bewohnern. "Ein ganz geringer Teil der Leute benimmt sich sehr schlecht, das kann man leider nicht verleugnen", sagt eine Sozialarbeiterin, die häufiger in dem Heim arbeitet.
Sozialvereine sehen die Ursachen in der erdrückend tristen Situation der Asylbewerber und räumen zugleich eigene Versäumnisse ein. "Es ist uns nicht gelungen, Kontakt zu den Leuten aufzubauen. Wir kennen sie nicht und umgekehrt", sagt René Weber von Move, einem Plauener Verein gegen rechte Gewalt. Ignoriert von der Gesellschaft hätten diese Menschen nach Demütigungen und rassistischen Übergriffen Wut angestaut. "Das hat lange im Verborgenen gebrodelt. Nun ist das Fass übergelaufen", sagt Weber.
Wie sich die Situation in Plauen weiter entwickelt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Polizei zeigt an den einschlägigen Treffs und vor dem Asylbewerberheim verstärkte Präsenz und sieht die Lage wieder unter Kontrolle. Leute wie Weber aber befürchten, dass sich mit den Geschehnissen in den vergangenen Wochen die Stadt auf längere Sicht verändern wird. "Das Klima gegen Ausländer ist jetzt schon deutlich abgekühlt. Und es wird noch kälter", sagt Weber.
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