Der lange Winter dürfte in diesem Jahr die Ankunft der Störche in Wallen-grün verzögern. Das Dorf hofft, das Meister Adebar wie in den Vorjahren das Storchennest beziehen wird.
Foto: Ellen Liebner/Archiv
Wallengrün bereit für Ankunft der Störche
Seit 47 Jahren kommt Meister Adebar ins Dorf bei Pausa
Plauen/Wallengrün. Viele hätten sie gern. Aber nur wenige sind auserwählt. Meister Adebar sucht sich seine Nistplätze gut aus. Und immer wieder zieht es ihn nach Wallengrün bei Pausa. Seit 47 Jahren kehren die Störche immer wieder zurück, sagt Vogelkundler Udo Schröder aus Wallengrün. Mit dieser Nachricht löste er selbst bei Experten Erstaunen aus.
Ornithologen begeistert
"50 Jahre - das ist wirklich erstaunlich", reagiert Ornithologe Thomas Hallfahrt. Er und die anderen Vogelschützer wissen, wie schwierig es ist, geeignete Standorte auf Häusern, Schornsteinen und anderen Bauten bereitzustellen, in deren Nähe die Vögel auch genug zu fressen finden. Um die Fressgewohnheiten der Weißstörche zu erkunden, haben Udo Schröder und einige seiner Freunde aus dem Dorf ein dreijähriges Projekt unternommen. In den Jahren 2005 bis 2007 verfolgten sie ihre Schützlinge zu den Fressplätzen - mit dem Auto und zu Fuß. "Das war nicht immer einfach", berichtet Schröder.
Vom stillgelegten Schornstein einer alten Bäckerei in Wallen-grün machte sich der Zweibeiner auf den Weg nach Unterreichenau, ins Naturschutzgebiet Pausaer Weide und zu anderen Orten. Auch nach Ranspach wurden die Tiere verfolgt. "Dort haben sie abgerodete Felder abgesucht", berichtet der Wallengrüner. Meistens, und besonders während der Aufzucht ihrer Jungen, seien sie aber in unmittelbarer Umgebung des Horstes geblieben.
Die Freizeitforscher haben ganz genau hingesehen. Meister Adebar verspeist meistens Mäuse, aber auch gern Fische, Regenwürmer und Schnecken. "Bei dem großen Fischsterben vor ein paar Jahren in der Weida sind sie lange da gewesen und haben die toten Tiere vertilgt." Wie gefräßig die Vögel sind, belegt diese Beobachtung von Udo Schröder: "Einmal sind von einem Tier in nur 30 Minuten acht Wühlmäuse und vier Schnecken aufgenommen worden."
Von 1963 bis 2009 sind in Wallengrün 98 Storchenjunge zur Welt gekommen. 35 Mal hat das Horstpaar Nachwuchs bekommen. Sieben Mal blieben die Jungen aus. Einmal wartete das Männchen vergeblich auf eine mögliche Partnerin. In den 47 Jahren sind nur vier Mal keine Nestbewohner eingetroffen. Die Wallengrüner hoffen, dass sie in diesem Jahr wieder in den Genuss kommen.
Großes Hoffen in Weischlitz
Das tun auch die Weischlitzer Vogelfreunde. Dort ist im vorigen Jahr als Ersatz für den einsturzgefährdeten Schonstein, ein neues Storchennest auf einem Stahlmast installiert worden. "Wir hoffen, der wird angenommen", sagt Ornithologe Werner Limmer. Er ist zugleich Naturschutzbeauftragter der Vogtlandes. Anstatt in 25 Meter Höhe steht jetzt ein Horst in 15 Meter Höhe zur Verfügung. Mit der Ankunft der Bewohner im Vogtland wird noch in diesem Monat, spätestens aber im April gerechnet.


