Schlupfloch Nadine Winterling zeigt das Schlupfloch, durch das die Diebe in das alte Haus geklettert sind.

Foto: Ellen Liebner

Wasserleitung gestohlen: Mieter sitzen auf dem Trockenen

Buntmetall ist ein begehrtes Diebesgut

Plauen. Als Nadine Winterling Zähne putzen wollte, kam kein Wasser aus dem Hahn. "Ich dachte, die Rohre sind eingefroren", sagt die 32-Jährige. Was wirklich los war, erklärte ihr die Heizungsfirma: Diebe haben die Wasserleitung geklaut.

Während die Mieter schliefen, stiegen die Täter in den Keller und schnitten die Rohre weg. Das Telefonkabel nahmen sie ebenfalls mit. "Nicht mal mein Hund hat etwas gemerkt", sagt Nadine Winterling.

Kupfer und Messing gelten als begehrtes Diebesgut. Weil die Rohstoffpreise hoch sind, registriert die Polizei nach eigenen Angaben allein in Plauen monatlich mehr als fünf Buntmetall-Diebstähle. "Mitgenommen wird alles Mögliche: Kabel, Dachrinnen, Rohre, Bleche", sagt Oliver Wurdak, Sprecher der Polizeidirektion Westsachsen. Bei Schrotthändlern und übers Internet machen die Täter Altstoffe zu Geld - rund 1500 Euro pro Tonne Kupfer.

Der besonders dreiste Fall passierte in der Nacht zum Mittwoch in einem heruntergewirtschafteten Haus an der Feldstraße. Die Unbekannten drehten im Keller den Hauptwasserhahn zu und montierten mit dem Rohrschneider das Buntmetall ab. Gestohlen haben sie rund 15 Meter Kupfer und Messing. Zusammen mit dem Telefonkabel schätzt die Polizei den Altmetall-Wert auf 1000 Euro.

Der Dreigeschosser wirkt leer, neun der elf Wohnungen sind verlassen. Nach Wurdaks Angaben war das wohl die Eintrittskarte für die Täter: "Leer stehende Häuser sind typische Ziele." Nadine Winterling zog ein, weil es ruhig ist: keine Nachbarn, die sich über den bellenden Hund beschweren. Zu dem arbeitslosen Italiener im Erdgeschoss hat sie keinen Kontakt. Rainer Döhler, der sich im Auftrag der Berliner Eigentümerin um das Haus kümmert, sorgt sich um dessen Zukunft. Im Herbst war bereits im Nachbargebäude eingebrochen worden, das ebenfalls der 84-jährigen Berlinerin gehört. Eine Heizungsfirma hat am Donnerstag versucht, den Rohrschaden zu beheben. Das Wasser bleibt aber abgedreht, weil die Rohre aufgrund der Kälte Schaden nehmen könnten "Das Haus ist unbeheizt, die Leitungen würden gefrieren", sagt Döhler. Im Keller gibt es jetzt einen Not-Wasserhahn. Die Mieter sollen so schnell wie möglich ausziehen.

 
erschienen am 02.02.2012 ( Von Manuela Müller )
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