Wasserverband investiert Millionenbetrag
Neue Abwasseranschlüsse und Sanierung des Bestandes geplant
Plauen. Mit rund 19 Millionen Euro wird der Zweckverband Wasser/Abwasser Vogtland (Zwav) 2012 etwa gleichviel investieren wie jeweils in den Jahren davor. Und die Aufteilung des Geldes geschieht ganz ähnlich. Der größte Batzen, rund 13 Millionen Euro, wird für den Neubau beziehungsweise für die Sanierung von Abwasseranlagen ausgegeben, der Rest fließt in den Bereich Trinkwasser. Wie Zwav-Geschäftsführer Henning Scharch sagte, erhalten damit rund 1300 Vogtländer erstmals einen Anschluss an eine zentrale Abwasserentsorgung.
So beispielsweise im Plauener Ortsteil Thiergarten, wo in einem weiteren Bauabschnitt insgesamt fast zwei Millionen Euro investiert werden. Nächstes Jahr soll das Projekt dann abgeschlossen sein.
Der Bau von Abwasseranlagen ist auch für eine vogtländische Besonderheit unerlässlich: die auf sauberes Wasser angewiesene Flussperlmuschel. Damit das Überleben der vom Aussterben bedrohten Tierart gesichert ist, wird insbesondere in den Bad Elsteraner Ortsteilen Mühlhausen, Sohl und Obersohl sowie in Landwüst, Schönlind und Berghäuser investiert. Letztere drei Orte gehören zu Markneukirchen.
Darüber hinaus gilt es, vorhandene Anlagen zu modernisieren. So etwa im Pöhler Ortsteil Jocketa, wo an die in den 1960er-Jahren errichtete und gut 25 Jahre später letztmalig sanierte Kläranlage dringend Hand angelegt werden muss. Das sollte eigentlich schon im vergangenen Jahr passieren, aber es gab Schwierigkeiten, alle Baugenehmigungen rechtzeitig zusammenzubekommen. Jetzt steht das rund 500.000 Euro teure Projekt erneut auf der Agenda. "Die Elektrik dort ist noch aus DDR-Tagen", beschreibt Scharch den Handlungsdruck.
Handlungsdruck gibt es auch in Sachen Rückbau. Weil die Vogtländer zahlenmäßig immer weniger werden, der Wohnungsleerstand bei etwa 10 Prozent liegt, ganze Blöcke zum Abriss stehen, sind die vorhandenen Ver- und Entsorgungsnetze mittlerweile zu groß. Die Folge: In Leitungen steht das Wasser öfter als es fließt, das kann zur Korrosion und einer daraus resultierenden Verschlechterung der Qualität führen.
Im Auerbacher Neubaugebiet werden deshalb gut 600.000 Euro ausgegeben, um den Querschnitt der Trinkwasserrohre von 300 auf 200 Millimeter zu verringen. Dazu ziehen Techniker in die vorhandenen Leitungen neue Stränge aus Plastik ein. Relining nennt sich das Verfahren. Es hat den Vorteil, dass nicht neu gegraben werden muss.
Ohne groß in der Erde zu wühlen werden auch Abwasserkanäle passend gemacht. So gerade beim Hauptsammler Ost in Plauen, der unterhalb des Neubaugebietes Plauen-Chrieschwitz verläuft. Die Arbeiten haben bereits 2011 begonnen. Und beim Rückbau ist längst noch kein Ende in Sicht. Die Zahl der Menschen im Landkreis schrumpft weiter - jährlich um etwa 3000. Aktuell sind es noch etwa 244.000.
"Aber die haben wenigstens genügend und sehr gutes Trinkwasser", versichert Geschäftsführer Scharch. Talsperren liefern für die Region 60 Prozent, Quellegebiete den Rest. Die Qualität komme daher, weil es sich nahezu ausschließlich um Oberflächenwasser handelt, das aus Niederschlägen stammt. Anders als etwa im Berliner und Brandenburger Raum, wo mangels Alternativen meist sogenanntes Uferfiltrat aus Oder und Spree wieder zu Trinkwasser aufbereitet werden muss. Auch das entspreche sicher der Trinkwasserverordnung, enthalte aber mit Sicherheit mehr Stoffe, die besser nicht enthalten sein sollten, so Scharch. Arzneimittelrückstände beispielsweise, die aus Kläranlagen in die Flüsse gelangen.
Laut Scharch hat der vogtländische Zweckverband seit 1990 rund eine halbe Milliarde Euro investiert. Auch in den nächsten Jahren soll daran festgehalten werden.


