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Wie es Hitler ins Dorfblatt schafft
Schneckengrün wird Erinnerung nicht los
Schneckengrün/Leubnitz . Eine eher unscheinbare Textpassage in den "Leubnitzer Nachrichten" hat für Aufregung gesorgt. In der September-Ausgabe des Mitteilungsblattes für den Rosenbacher Ortsteil ist von der "ehem. A.-Hitler-Schule" (siehe Faksimile) die Rede. Der Verweis wurde extra eingefügt, damit Leser eine abgelegene Straße besser einordnen können.
"So etwas darf einfach nicht passieren und auch nicht wieder vorkommen", sagte Rosenbachs Bürgermeister Achim Schulz (FDP), nachdem er davon erfuhr. Eine persönliche Verantwortung weist er jedoch zurück. Zwar würde die kostenlos verteilte Dorfzeitung von der Kommune finanziert, das eigentliche Amtsblatt sei jedoch der "Rosenbacher Anzeiger". Und da kommt die Passage, die Teil der Berichterstattung über den jüngsten Gemeinderat ist, schließlich nicht vor, stellte der Verwaltungschef klar.
Verfasst hat den Text Gemeinderätin Rita Rauh (Wählervereinigung Liste der Vereine Leubnitz), die zuweilen für die "Leubnitzer Nachrichten" schreibt. Ihr ist das Ganze inzwischen ziemlich unangenehm. "Ich habe einfach gedankenlos gehandelt", räumt sie ein. Doch der Begriff "Hitler-Schule" sei gerade bei älteren Schneckengrünern noch ziemlich fest im Sprachgebrauch verwurzelt. Warum? Das weiß auch Rauh nicht so genau. Für sie steht inzwischen fest: "Ich werde den Begriff künftig nicht mehr verwenden". Das schon deshalb, damit Jüngere die Erinnerung an das dunkle Kapitel Schneckengrüner Ortsgeschichte gar nicht erst weitertragen.
Denn die Schule vor den Toren Plauens war tatsächlich geplant gewesen. Als Elite-Lehranstalt, in der bis zu 800 Jungen zwischen zwölf und 18 Jahren für Führungspositionen im Nationalsozialismus ausgebildet werden sollten. Sogar der Grundstein wurde Anfang 1938 bereits gelegt. Allerdings kam es nie zum Bau. Lediglich eine Baracke für Arbeiter und später eine Ausbildungsstätte für die Hitlerjugend hat es historischen Unterlagen zufolge gegeben. Trotzdem geistert das Thema fast 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Herrschaft noch immer in den Köpfen der Dorfbewohner herum.
Wie das jetzt gelaufen ist, das sei nicht in Ordnung, sagt auch der Leubnitzer Ortsvorsteher Eberhard Prager (parteilos), der das Thema am liebsten gar nicht weiter in der Öffentlichkeit hätte. Zumal es an ihm gewesen wäre, den Druck der Passage zu verhindern. "Heinz Reichardt, der diesen Teil der Zeitung redaktionell betreut, zeigt mir die Manuskripte sonst immer vorher. Aber ich war im Urlaub", entschuldigt sich Prager. "Als ich wieder zurück kam, war alles schon zu spät."
Und Reichardt? Er übernimmt die Verantwortung: "Ich habe es überlesen. Aber das ist nun ein Grund mehr, künftig noch besser aufzupassen." Er schützt ausdrücklich seine Autorin. "Sie macht das ehrenamtlich und wir sind froh, dass wir sie haben."
Reichardts Kollege Bernd Mechler fiel die Passage übrigens rechtzeitig genug auf. Mechler seinerseits verantwortet die Schwesterzeitung "Rodauer Nachrichten". Auch dort wurde der Gemeinderatsbericht abgedruckt. Statt "Hitler-Schule" steht da aber "Wettinhöhe" zu lesen. Heinz Reichardt: "Da war der Bernd Mechler wohl cleverer als ich."

