Tiertransport mit Exoten: Stundenlang standen die Zirkus-Elefanten am Montag in ihren Wagen auf einem Feldweg gegenüber des Plauen-Parks.
Foto: Ellen Liebner
Zirkus rollt mit Problemen nach Plauen
Hochseiltrupp distanziert sich von Zirkusleuten
Plauen. Da stehen sie nun, direkt neben dem Maisfeld gegenüber des Plauen-Parks. Dort, wo keiner einen Zirkus geschweige denn Elefanten vermuten würde. Seit Montag baut Hardy Weisheit auf dem Feld seine Zirkuszelte auf. Weil er den Platz an der Festhalle nicht bekommen hat, mietete er sich für ein Gastspiel bei der Agrargenossenschaft Syrau ein. Mindestens den halben Tag lang harrten seine vier Elefanten am Montag ohne Wasser im Laster auf dem Feldweg. Obwohl einer allein pro Tag bis zu 300 Liter säuft - wenn er kann.
"Ich weiß, dass die Durst haben. Woher soll ich denn Wasser nehmen?" sagt Zirkus-Mitarbeiter Helmut Rühling, 73, am frühen Nachmittag. Er gehört zur Vorhut des Wanderzirkus und kam bereits in der Nacht mit den Tieren nach Plauen. Der Chef versucht, am Telefon die Sache ins rechte Licht zu rücken. Die Wasserhydranten seien unterwegs.
Weisheit ist entfernt verwandt mit den erfolgreichen Gothaer Hochseilartisten. Sein Vater Otto sei in den 60er-Jahren in den Westen geflüchtet und habe dort einen Zirkus gegründet. Hardy Weisheit und seine sechs Geschwister betreiben heute mehrere Zirkusunternehmen. Unter anderem den Zirkus Las Vegas, der bis zum Wochenende in Zwickau auf dem Flugplatz spielte - ebenfalls mit exotischen Tieren als Zugpferde. Die Hochseilartisten distanzieren sich derweil von den Geschäftsgebaren der Verwandten und haben sich ihren Namen "Geschwister Weisheit" schützen lassen. "Zirkusse haben es schwer heute. Trotzdem ist das Ganze für uns ärgerlich. Gerade im Osten, wo wir sehr bekannt sind", sagt Peter Mario Weisheit, der mit seiner Familie derzeit durch Holland tourt.
Die Stadt Plauen hätte sich das Gastspiel des Circus Africa offenbar lieber erspart. Da Hardy Weisheit alle Papiere vorlegte, wurde es allerdings genehmigt. Der Zirkus gilt als umstritten und hat in vielen Städten, in denen er gastierte, verbrannte Erde hinterlassen. Es gab verdreckte Plätze und ein Gerichtsverfahren, weil Weisheit seine Elefanten auf Ordnungsbeamte hetzte.
Die Tierschutzorganisation Peta führt auf ihrer Internet-Seite eine seitenlange Liste an Verstößen auf. Meistens geht es um ausgebüxte Elefanten, aber es ist auch die Rede von Körperverletzung. Dass Elefantenkuh Tonga einer Frau in Jena die Handtasche weggefressen hat, könnte man fast noch als Schmunzel-Geschichte bezeichnen. Immer wieder gastierte der Zirkus unter anderen Namen. Ein Pressesprecher, der sich Heinrich Frank nennt, erklärt, man wolle die Besucher damit neugierig machen.
Manege frei - die schönen Seiten des Zirkus Afrika.
Foto: Zirkus
"Die Lüge gehört zum festen Geschäftsprinzip", sagt Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater bei Peta. Über den Zirkus-Direktor sagt er: "Wo Hardy Weisheit auftritt, gibt es Ärger." Peta kämpfe seit Jahren darum, dass die Behörden dem Zirkus das Handwerk legen.
Auch in Plauen versuchte es Weisheit zunächst mit einem "Kunstgriff". Statt auf der grünen Wiese am Stadtrand hätte er seine Zelte lieber an der Festhalle aufgeschlagen. Also warb er nach Aussage des Festhallen-Marketingchefs Ronny Bley mit seinem guten Namen. "Sie suchten angeblich einen Platz für eine Hochseildarbietung, die der MDR filmen wollte", sagt Bley. Er genehmigte das Gastspiel, zog die Zusage allerdings nach Internet-Recherchen zurück.
Die Hochseiltruppe erwies sich als reiner Zirkus. Und davon lässt Bley jedes Jahr nur zwei auf den Festplatz - so ist es von der Stadt gewünscht. "Mehr geht nicht", sagt er. Als Weisheit kam, seien die Zirkus-Gastspiele für 2011 längst vergeben gewesen. Mehr als 20 Zirkus-Anfragen habe er immer auf dem Tisch liegen. Ronny Bley wählt behutsam aus und hält sich am liebsten an die Großen der Branche, sagt er.
In Stuttgart soll die Hochseil-Masche funktioniert haben. Laut Peta verschafften sich die Weisheits mit ihr vor zwei Jahren Zutritt zu einem städtischen Platz - und handelten sich Ärger ein. Der Zirkus-Direktor lässt sich auf die Frage nicht ein und antwortet stattdessen knapp: "Der Platz in Plauen war schon belegt." Kritik musste er in der Vergangenheit auch wegen seiner "Freikarten" einstecken. Die enthalten den kleingedruckten Hinweis, dass sich der Zirkus einen Kostenbeitrag von fünf Euro vorbehält. Vor zwei Jahren berichtete die "Badische Zeitung", dass die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dem Zirkus deswegen eine Abmahnung erteilte. Dennoch werden die Tickets heute noch großzügig ausgelegt.
Hardy Weisheit blockt Fragen der "Freien Presse" dazu ab, indem er das Gespräch beendet. Er will keinen Ärger, sondern ein volles Zelt. "Bitte schreiben Sie nichts Schlechtes, wir haben es schwer genug. Unser Zirkus kämpft ums Überleben."


