Nach 122 Tagen auf Reisen konnte Mario Goldstein am Sonntagmittag seine Tochter Yoko wieder in die Arme schließen.
Foto: Ellen Liebner
Zurück vom Dalai Lama: Großer Bahnhof für die Goldsteins
Mario und René Goldstein sind seit Sonntag von ihrer Indien-Tour zurück in der Heimat
Plauen. Was für ein Empfang: Fast 100 Vogtländer haben am Sonntagmittag Mario und René Goldstein bei ihrer Rückkehr in Plauen begrüßt. 122 Tage waren die Brüder aus Oelsnitz auf Reisen, legten 25.000 Kilometer mit ihrem Friedensmobil zurück. Höhepunkt: Die Audienz beim Dalai Lama in dessen indischem Exil. Am 4. Oktober, 12.30 Uhr überreichte ihm Mario Goldstein seine Friedensbücher. Fünf Minuten dauerte die Begegnung mit dem Oberhaupt der tibetischen Buddhisten. Damit war die Mission der Tour erfüllt.
Tränen beim Dalai Lama
Ganz locker sei er bei dem Treffen gewesen, berichtete Mario Goldstein am Sonntag. Einige Tage davor war das ganz anders. Bei einem öffentlichen Auftritt des Dalai Lama waren ihm die Goldsteins schon einmal ganz nah. Mario filmte. Als er die Bilder im Kasten hatte, war es um ihn geschehen. "Ich brach in Tränen aus. Der ganze Druck fiel in diesem Moment von mir ab - weggeblasen von der Aura des Dalai Lama", erzählt der Abenteurer. Die erste Begegnung - er empfand sie als Lohn fürs Durchhalten.
Die Reise führte die Goldstein-Brüder durch Österreich, Italien, Griechenland, die Türkei, den Iran und Pakistan bis nach Indien. Die wechselnden Landschaften genoss Mario Goldstein, aufgesogen hat er aber vor allem die Begegnungen mit den Menschen. Rund ein Dutzend Interviews führte der 41-Jährige mit seiner Kamera, befragte den tibetischen Flüchtling in Indien genauso wie die deutsche Auswanderin in Griechenland. Sie alle werden in seinem neuen Vortrag ab nächsten Herbst die Hauptrollen spielen. Die bewegendste Begegnung machte der Abenteurer in Pakistan. Ein Zollbeamter ließ sich filmen. "Es war ein Gespräch zur Lage der Nation", sagte Goldstein am Sonntag etwas scherzhaft. Aber er suchte ernsthafte Antworten. Was will das normale Volk in einem Land, das im Westen beinahe ausschließlich mit Terroristen und einer atomaren Bedrohung in Verbindung gebracht wird? "Frieden", weiß Goldstein jetzt - und kritisiert das Zerrbild, welches hierzulande auf Pakistan lastet. "Was wir erfahren, ist die große Politik. Das Volk ist anders."
Dennoch verursachten Pakistan und der Osten des Irans bei ihm gemischte Gefühle. Aufgrund der labilen Sicherheitslage wurde das Friedensmobil von Sicherheitskräften eskortiert. Von Zwischenfällen blieben die Abenteurer glücklicherweise aber verschont. Nur ein einziges Mal mussten sie ihren nächtlichen Standplatz wechseln. In Griechenland suchten die Brüder aufgrund von Belästigungen auf einem Parkplatz das Weite. Den Iran, ein schwieriges Pflaster für Reisende, erlebten Mario und René Goldstein als sehr still. Sie konnten kaum Kontakte knüpfen, ihre Kamera mussten sie vor den Sicherheitsorganen versteckt halten.
Beziehungs-Aus in der Ferne
Neben den Herausforderungen der Tour hatte Mario Goldstein fernab der Heimat auch welche privater Natur zu lösen. Er spricht ganz offen darüber: Die Beziehung zu seiner Partnerin Yvonne überstand die Reise nicht. Gekriselt habe es schon vorher, sagte er am Sonntag. Zu unterschiedlich hätten sich die Vorstellungen vom Leben in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Er suchte weiter das große Abenteuer. Sie wollte mit der gemeinsamen Tochter Yoko Nest bauen. "Ich bin ein extremer Typ. Mit mir zu leben, das ist schwierig", räumte Goldstein ein. Die Trennung in Freundschaft habe ihm zugesetzt, gestand er. Sein Bruder richtete ihn wieder auf. "Am liebsten wäre ich heimgeflogen", sagte der 41-Jährige, "um die Dinge persönlich zu regeln. Doch die Tour abzubrechen, was hätte das gebracht?" fragte Mario Goldstein. "Die Beziehung hätte es nicht gerettet - und mein Traum wäre zerplatzt."


