Keine Kunden, keine Arbeit, kein Geld. Zwei Mitarbeiter mussten schon gehen. Der City-Kebap an der Ecke Fedor-Flinzer-Straße/Dr.-Külz-Straße stöhnt unter den Baustellen Kreisverkehr, Straßenbau und Brückenneubau. Kerstin Carstens und Falk Hofmann hoffen dennoch immer auf Kunden.
Foto: Franko Martin
Baustelle sorgt für Umsatz-Einbruch
Aufgrund von Baustellen bleiben die Kunden beim Reichenbacher City-Kebap aus
ReichenbachIm April hatte Ahmad Diab den City-Kebap in guter Geschäftslage übernommen. Direkt an der Bundesstraße, in Bahnhofsnähe und an der gut frequentierten Ein- und Ausfahrt zum Neubaugebiet. Fünf Mitarbeiter hatten gut zu tun, der Laden lief. "Wir hatten sogar zwei Autos, um alles pünktlich ausliefern zu können", sagt der gebürtige Iraker, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Reichenbach ein neues Zuhause gefunden hat. Der City-Kebap ist seine wirtschaftliche Existenzgrundlage. Und die steht jetzt ohne sein Zutun auf der Kippe. "Zwei Mitarbeitern musste ich bereits kündigen, es sieht nicht mehr gut aus", sagt Ahmad Diab und schaut von seinem Geschäft aus auf ein Stück Baukonjunktur.
Abwarten und Tee trinken
Seit es die Baustellen Kreisverkehr, Straßenerneuerung und Brückenneubau vor der Ladentür gibt, ist der Umsatz des Unternehmens drastisch eingebrochen. Dreiviertel der Laufkundschaft bleibt aus, die Auslieferungen haben um mehr als die Hälfte abgenommen. "Jetzt sitzen wir da und trinken Kaffee und Tee und warten", sagt Ahmad Diab. Abends landet das Gros der am Morgen vorbereiteten Speisen im Müll. An der Fedor-Flinzer-Straße hält kein Auto mehr, seit dort nur noch eine Spur im Ampelbetrieb befahren wird: Weil die Arbeiten am Kreisverkehr ins Stocken geraten waren, hatte man die zunächst für 2013 geplanten Bauarbeiten an Flinzer- und Dammsteinstraße vorgezogen. Für den Laden ein Fiasko.
"Besonders schlimm war es für uns, als auch noch auf der Moritz-Löscher-Straße fast vor der Haustür gebaggert wurde. Der Bagger stand direkt auf dem Fußweg und hob ein großes Loch aus", erzählt der Geschäftsmann. Damit war die einzige Möglichkeit dahin, den City-Kebap bequem zu erreichen. Ahmad Diab: "Ich habe den Baggerfahrer höflich gebeten, doch wenigstens nicht den Fußweg zu blockieren. Da hat er mir gesagt, ich solle doch mit dem Laden woanders hingehen."
Beschilderung könnte helfen
Das Loch auf der Moritz-Löscher-Straße ist verschlossen. Das eröffnet potenziellen Kunden, die bei der Fahrt über die Kreuzung vor dem City-Kebap Lust auf Pizza, Pasta, Döner, Lahmacun, Pide und leckere Salate bekommen, die Möglichkeit, den Laden direkt anzufahren. Und zwar über Fedor-Flinzer-, Robert-Müller- und Moritz-Löscher-Straße. "Nur, daran denkt doch keiner angesichts der ganzen Baustellen. Es gibt in Reichenbach sieben Läden wie unseren. Es macht sich doch keiner mehr Mühe, nur um uns zu helfen."
Eine Hilfe stellt die Stadtverwaltung in Aussicht. Der Geschäftsmann, sagte Stadtsprecherin Heike Keßler am Mittwoch, kann auf Antrag den Weg von der Kreuzung über den Rundkurs zum Laden ausschildern. "Das muss im Ordnungsamt beantragt werden. Ein diesbezüglicher Antrag wird schnell genehmigt."
Ahmad Diab will von diesem Angebot Gebrauch machen. Bis zur für Ende des Jahres angekündigten Fertigstellung der Bauvorhaben muss er durchhalten. Das wird schwer. "Denn ich muss ja alle ständigen Kosten wie Versicherungen, Miete und Lohn laufend bezahlen."

