Der Anfang vom Ende: Im März 2004 schickte Rektor Karl-Friedrich Fischer (rechts) den für Reichenbach engagierten Gründungsdekan Frank Anders in den Ruhestand. Fortan ging's bergab.
Foto: Franko Martin/Archiv
Chance für Fern-Universität ignoriert
Reichenbach habe zu wenig für den Erhalt der Hochschule getan, heißt es - Doch wie steht's um die Rolle der WHZ-Führung in Zwickau?
Reichenbach/Zwickau. Für den Erhalt des Hochschul-Standortes Reichenbach sind offenbar nicht alle Chancen ausgelotet und mit dem notwendigen Engagement verfolgt worden. Auch kommt die für 2015 geplante Schließung der Außenstelle der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) nicht allein auf Betreiben der Sächsischen Staatsregierung zustande. Wie der "Freien Presse" vorliegende Unterlagen belegen, hat dabei die Führung der Hochschule in Zwickau selbst eine größere Rolle gespielt als bislang in der Öffentlichkeit bekannt.
Im Jahr 2005 gab es viel versprechende Pläne für eine Kooperation der Fern-Universität Hagen mit Reichenbach. Die Idee: Reichenbach könnte Standort für ein Fernstudienzentrum werden. Durch private Initiative des in der Welt herumgekommenen und heute in Reichenbach lebenden Rechtsanwaltes Ulf Solheid gab es Kontakte zwischen Vertretern der Stadt Reichenbach, der WHZ und der Fern-Uni. In Hagen war man nicht abgeneigt, wie aus dem Schriftwechsel hervorgeht. Solheid arrangierte einen Termin. Mit Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU), Wirtschaftsförderin Kerstin Thomä und dem Verwaltungsleiter der Reichenbacher-Außenstelle, Ulrich Pfitzner, wollte er am 11. Juli 2005 im Gespräch mit Kanzlerin Heike Brand und weiteren Repräsentanten der Uni Chancen für ein mögliches Betreibermodell ausloten.
Doch dann kam ein Stopp aus Zwickau. Derlei Verhandlungen seien offenbar nicht Pfitzners Angelegenheit, sondern Sache der WHZ-Führung. "Etwa fünf Tage vor dem Treffen gab es eine Absage", erinnert sich OB Kießling.
Rechtsanwalt Solheid legte jetzt der "Freien Presse" ein Schreiben vor, in dem er Rektor Karl-Friedrich Fischer postwendend bat, er möge doch für das Treffen in Hagen einen offiziellen Vertreter der WHZ benennen. Doch Fischer habe den Termin ungenutzt verstreichen lassen und nie reagiert. Eine derartige Ignoranz "habe ich noch nie erlebt", sagt Solheid. Sozusagen als "Ein-Mann-Bürgerinitiative" habe er seine Kontakte genutzt, um zugunsten seiner heutigen Heimatstadt und der Hochschule eine Chance zu eröffnen. "Wenigstens hätte man antworten müssen", sagt Solheid.
Auch Ulrich Pfitzner, der im letzten Berufsjahr als Verwaltungsleiter steht, beklagt dies. "Ich wäre gern mitgefahren, doch es musste jemand vom Rektorat oder der Kanzler sein", sagt er rückblickend. Eine nähere Bewertung dieser Vorgehensweise wollte er nicht treffen.
Doch was sagen die Verantwortlichen der WHZ? Hochschul-Sprecherin Franka Platz begab sich nach einer Anfrage der "Freien Presse" auf die Suche nach Belegen. Doch anders als Solheid, der sogar Fax-Nachweise aus dem Jahr 2005 vorlegen konnte, ist Franka Platz auch nach mehreren Tagen in Zwickau nicht fündig geworden. Der heutige Rektor Gunter Krautheim, zuvor Mitglied des Rektorats, ließ übermitteln, er wisse nichts über eine solche Initiative für ein Fernstudienzentrum Reichenbach.
Krautheims im Jahr 2005 zuständiger Vorgänger Karl-Friedrich Fischer äußert sich etwas vorsichtiger. Dazu Franka Platz: "Herr Prof. Fischer hat mir gesagt, dass er kein offizielles Papier vorliegen hat."


