Rad Die Dampfmaschine, kurz bevor sie 1994 demontiert wurde. Das riemengetriebene Schwungrad hat einen Durchmesser von 2,92 Metern. Zu sehen ist auch ein Teil der Ventilsteuerung (links).

Foto: Sammlung Museum Lengenfeld

Dampfmaschine findet neue Heimstatt

Verein aus Roßwein holt 81 Jahre altes Aggregat aus Lengenfeld an die Mulde

Lengenfeld/Rosswein. Eine "große Neuigkeit" hatte Dieter Kranz, der Chef des Dampfmaschinenvereins Roßwein, parat. Im Juli rollte eine alte Dampfmaschine aus Lengenfeld am Vereinsgelände an der Mulde an. "Wir haben hier in Einzelteilen eine Ein-Zylinder-Heißdampfmaschine aus dem Jahr 1931, hergestellt von Hofmann & Zinkeisen in Zwickau", erklärte Kranz. In spätestens zwei Jahren soll sie wieder laufen, so das ehrgeizige Ziel der Bastler.

Die Maschine gehörte einst zur 1843 gegründeten Filztuchfabrik Christian Heinrich Thomas am Walkmühlenweg in Lengenfeld. Bei der komplexen Erweiterung 1930-32 entstand ein neues Kesselhaus mit eigener Stromerzeugung auf zwei Wegen: mit Dampfkessel, Dampfmaschine und Generator sowie mit Wasserturbine und Generator. Die Dampfmaschine lief bis 1976 und ist seit 1988 denkmalgeschützt.

"Nach der Wende bekamen wir die Firma von der Treuhand zurück", berichtet Frieder Pfand. Der baufällige Betrieb wurde 1994 abgerissen und die neue Textilausrüstung Pfand errichtet. "Gleichzeitig wurden im Rahmen einer ABM mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Friedhelm Wappler Dampfmaschine, Kessel und Umfeld demontiert und auf dem Gelände eingelagert", erklärt Pfand. Er lobt, mit wie viel Mühe und Liebe die ABM-Kräfte der SAQ Zwickau beim Abbau und bei der Konservierung zu Werke gingen. Armaturen und Kleinteile wurden in Ölpapier eingewickelt und in Kisten verstaut. Die großen Teile wie Schwungrad und Zylinder kamen in Holzverschlägen ins Freie. Das Museum Lengenfeld fertigte davon eine umfangreiche Fotodokumentation an.

Zylinder Das Herzstück: Der Zylinder samt Kurbelstangengehäuse. Für die Lagerung wurde ein Gestell aus Stahlträgern zusammengeschweißt.

Foto: Enrico Korth

"Eigentlich sollte die Dampfmaschine in Lengenfeld bleiben und am Museum aufgesellt werden. Doch dazu kam es leider nicht", bedauert Frieder Pfand. "Für mich stand fest: Es ist zu schade, sowas zu verschrotten. Mein Ziel war, die Maschine für die Nachwelt zu erhalten", fügt der heute 63-jährige gelernte Verfahrenstechniker hinzu. Das Sächsische Industriemuseum Chemnitz zeigte 2008 Interesse, konnte aber den Abtransport nicht organisieren. Auch das Textilmuseum Crimmitschau und die Stadt Reichenbach winkten ab.

Im Herbst 2011 kam der Zufall zu Hilfe. Frieder Pfand hörte an einem Sonntag im Radio vom Dampfmaschinenverein Roßwein und hatte bald über den dortigen Bürgermeister Kontakt zu Dieter Kranz und seiner Truppe hergestellt. "Wir sahen uns dort um und wussten sofort: Dieser Verein ist prädestiniert dafür. Hier kommen Interesse und Fachwissen zusammen", so Pfand.

Zweimal fuhr Dieter Kranz mit Vereinsmitgliedern ins Vogtland und sah sich die Maschine an, die dort vor sich hin rostete. Schnell war klar: Das Aggregat, das rund sieben Tonnen wiegt, kommt nach Roßwein. Nachdem die Kleinteile schon abgeholt worden waren, folgte am 11. Juli die Schwerlastarbeit. Ein Autokran der Firma Held hievte am Walkmühlenweg den Zylinder, die beiden Generatoren und das in Hälften zerlegte Schwungrad auf den vom Stahlbau Lüttewitz gesponserten 20-Tonner. Und ab ging es nach Roßwein. "Wir werden die Maschine zerlegen, alle Teile entrosten und aufarbeiten und sie dann wieder zusammensetzen", sagt Kranz. "Es juckt schon in den Fingern", meint Vereinskamerad Enrico Korth.

"Es ist gut, dass die Maschine erhalten wird und in Sachsen bleibt. Wir freuen uns, dass sie in so gute Hände kam", zeigt sich Frieder Pfand glücklich. Übrigens: Auch für den alten Dampfkessel fand sich jetzt ein Interessent. Doch das ist eine neue Geschichte ...

 
erschienen am 14.08.2012 ( Von Gerd Betka und Sebastian Fink )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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