Ach du dickes Ei: Museumschef Sven Kreher mit dem neuesten Schrei des Museums, einem Ei eines Elefantenvogels.
Foto: Franko Martin
Ei, Ei, Ei: Buchwald hat Sachsens größtes
Im Vogtländischen Goldmuseum und Naturalienkabinett verblüfft seit Ostern ein Gigant - Museumschef Sven Kreher findet's einfach elefantastisch
Buchwald. Kein Ei gleicht dem anderen, sagt Sven Kreher. Und dieses Riesen-Ei, das sieht jedes Kind, sprengt selbst die Vorstellungskraft eines Erwachsenen. Fast 40 Zentimeter hoch und 28 Zentimeter breit. Hätte man es für Ostern auszublasen, müsste man bei neun Litern Flüssigkeit einen Kompressor anschließen. Mit einem Wort: Der neueste Schrei im Vogtländischen Goldmuseum und Naturalienkabinett des Sven Kreher ist ein Koloss unter den Eiern und gehört damit, wie viele Exponate dort, zu den Überbleibseln längst ausgestorbener Arten. "Das Ei, besser gesagt ist es die Hälfte eines Eis, hat einst ein Elefantenvogel auf Madagaskar gelegt", erzählt der Museumschef. Seit Ostern ist es die Attraktion in Buchwald, und das nicht nur für Kinder. Es dürfte eines von drei, vier Exemplaren in Deutschland sein. Und Sachsen? "Ich kenne keins."
Sven Kreher lässt die verblüfft vor der Vitrine mit dem Ei stehenden Besucher gerne zappeln, bevor er einen kleinen populärwissenschaftlich gehaltenen Exkurs auf die große Insel vor der Ostküste Afrikas unternimmt. "Alle tippen natürlich auf ein Dinosaurier-Ei, aber irgendwann erzähle ich dann die Geschichte des Elefantenvogels und wie das in Fragmenten erhaltene Ei im vergangenen Jahr nach Buchwald kam", erzählt Sven Kreher und spricht seine private Sammlung verschiedener Vogeleier an. "Ein Elefantenvogel-Ei hatte mich schon lange interessiert, dann hatte es endlich über einen Präparator geklappt, zu dem ich übers Internet schon lange Kontakt aufgenommen hatte." Für ein ganzes Ei hätten die Finanzen des Museums nicht annähernd gereicht. So fügten der 40-jährige Sammler und der Plauener Restaurator Rolf Kretzschmar die gekauften Schalenfragmente Stück für Stück aneinander. Rolf Kretzschmar rührte dazu sogar einen speziellen Mörtel an.
In das Buchwalder Riesenei würden mehr als 200 Hühnereier passen, die Schalenstärke misst bis zu vier Millimeter. "Wenn man sich überlegt, dass sich aus solchen Eiern Küken herauspicken konnten - darauf hätte ein Mann stehen können, und es wäre nicht kaputtgegangen", ist Sven Kreher in seinem Element. Der straußenähnliche Elefantenvogel brachte bei einer Höhe von drei Metern eine halbe Tonne auf die Waage. Das Aussterben des Giganten, da ist sich die Fachwelt einig, ist durch Bejagung und Brandrodung menschengemacht. Wann, da gehen die Angaben auseinander. Möglicherweise haben ihn sogar noch die ersten seefahrenden Europäer des Westens gesehen. Sven Kreher zieht auch noch eine Parallele zu den neuseeländischen Riesenlaufvögeln, den Moas. Eine Art konnte sogar bis zu dreieinhalb Meter erreichen - ihre Eier waren aber kleiner als die der auf Madagaskar lebenden Spezies. Die letzten Moas in Neuseeland hat es vermutlich im 17. Jahrhundert erwischt, einige Quellen berichten von Sichtungen des Vogels noch im 19. Jahrhundert.
Für Sven Kreher allerdings ist nicht die Größe eines Eis entscheidend. "Eier sind faszinierende Naturprodukte, mal rauh, mal glatt wie Porzellan. Wir haben hier auch immer Schulklassen. Die Kinder bei ihrer Neugier zu packen, dabei Kenntnisse zu vermitteln und sie mit auf eine Reise zu nehmen, das verstehen wir als unseren Lehrauftrag."


