Kreuzung Nadelöhr Eisenbahnüberführung. Dort stauen sich die Autos regelmäßig. Auch, als dort ein 16-jähriger Mopedfahrer auf eine Lücke wartet, um auf die Cunsdorfer Straße fahren zu können. Das hat einer im Auto hinter ihm wartenden Frau offenbar zu lange gedauert. Sie trat aufs Gaspedal.

Foto: Franko Martin

Frau attackiert Mopedfahrer in Reichenbach

Polizei sucht die Fahrerin des Wagens

Reichenbach. Cornelia S. bewegen zwei Fragen. Wie kann jemand soetwas tun und sich dann aus dem Staub machen? "Und warum hat keiner der anderen auch nur angehalten und sich um den Jungen gekümmert? Schließlich war zu diesem Zeitpunkt dort richtig Betrieb", sagt die Mutter eines 16-jährigen Mopedfahrers, der am Donnerstag vorige Woche 14.20 Uhr an der Reichenbacher Eisenbahnüberführung in eine brenzlige Situation geraten und dabei verletzt worden war.

Der junge Mann war an jenem Nachmittag mit seinem S 51 die Zwickauer Straße hoch zur Eisenbahnüberführung gefahren und hatte an der Einmündung zur Cunsdorfer Straße für etwa eine Minute gehalten, um den von der Friedensstraße kommenden Autos Vorfahrt zu gewähren. Dann passierte es.

Verletzung, Schock und 30 Euro

Wie aus dem Nichts bemerkte der Junge, wie sein Moped sich langsam in Bewegung setzte und immer schneller wurde. Ein hinter dem Moped stehendes Auto schob den 16-Jährigen auf seinem Moped gewissermaßen vor sich her. Der Mopedfahrer rief "Hallo, anhalten, he, he", daran kann sich der junge Mann noch erinnern. Dann kippte er zur Seite weg, geriet unter sein S 51 und war völlig perplex. Er setzte sich auf die Bordsteinkante und versuchte zu begreifen, was da gerade passiert war. Doch so richtig konnte er das wohl nicht. Zumal das Auto, er beschreibt einen goldfarbenen Dreitürer mit V-Nummernschild, ohne zu halten weitergefahren war. Seine Verletzungen, eine mehrere Zentimeter große, von einer Berührung des Beins mit dem Auspuff herrührende Brandwunde sowie Prellungen und Quetschungen, bemerkte er erst, als er aufstand, um sein Moped von der Straße zu holen.

Kurz zuvor war die geschätzt 50-jährige Fahrerin des Autos zweimal an der Bordsteinkante erschienen. Wie der Junge sagt, hatte sie dann doch etwa in Höhe der Druckwerke gehalten. Erst kam sie und fragte, ob alles in Ordnung sei. Dann kehrte sie noch einmal zurück. Diesmal mit der Aussage, sie hätte keine Zeit, und mit 30 Euro, die sie dem Verletzten gab. Der 16-Jährige brachte zu diesem Zeitpunkt kein Wort heraus, weiß nicht einmal, ob er das Geld angenommen hat oder ob die Frau es neben ihm abgelegt hat.

"Als er zu uns kam, stand er unter Schock", sagt seine Mutter, die in einer Arztpraxis arbeitet. Die Wunden wurden versorgt und der Junge krankgeschrieben. Wenig später war die Polizei da, um den Hergang des Vorfalls und eine Anzeige aufzunehmen. "Seitdem schaue ich jeden Tag, ob ich nicht ein Auto sehe, auf das die Beschreibung meines Sohnes passt. Es wäre toll, wenn sich ein Zeuge melden würde. Und wenn sich die Frau meldet, um sich zu entschuldigen", hofft Cornelia S. und äußert eine Vermutung, wie es zu dieser Tat hat kommen können.

Alles schaut weg

"Vielleicht war sie in großer Eile. Aber ich kann nicht verstehen, wie man dann so einen Aussetzer haben kann. Selbst, wenn ein Moped nicht gleich losfährt, wenn eine kleine Lücke auf der Cunsdorfer Straße ist. Sie ist doch vielleicht auch Mutter und Oma", sagt Cornelia S. Ebensowenig versteht sie, wie viele Fahrer mit ihren Autos vorrüberfahren konnten, ohne anzuhalten. "Dass man da einfach vorbeischauen kann, verstehe ich nicht." Die 30 Euro liegen bei ihr daheim. "Die kann die Frau zurückhaben, die wollen wir nicht, wir wollen Gerechtigkeit."

Die Polizei sucht Hinweise zum Hergang des Geschehens am 24. Mai gegen 14.20 Uhr, Telefon 03744 2550.

 
erschienen am 31.05.2012 ( Von Gerd Möckel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 01.06.2012
    20:34 Uhr

    crashy9708: Nichts sehen - nichts sagen - nichts hören

    Dies ist kein Überbleibsel der Diktatur, sondern auch ein alltägliches Bild dieser Gesellschaft.

    Solange Täter geschont und von der Justiz verhätschelt werden solange schweigen auch Zeugen, denn der Pferschutz in dieser Gesellschaft ist leider nur rudimentär ausgebildet.

    Krass gesagt:

    Der Helfer wird erher verdonnert als der Täter!

    Hätte ich das gesehen, dann hätte ich mir wenigstens das Kennzeichen aufgeschrieben und das Handy mit der 110 gezückt.
    Solche Fz.-Füher kotzen mich nicht nur an, sondern die sollten lieber ohne Führerschein durchs Leben gehen!

    Wer sein Fahrzeug als Wafef benutzt, der hat auf der Straße nix zu suchen!

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