Friesen erlebt Deutschland-Premiere
Verband investiert in Pflanzenkläranlage französischen Typs - 200 Einwohner profitieren von 500.000-Euro-Investition
Reichenbach. Der Abwasserzweckverband Reichenbacher Land beschreitet mit einer Investition in Friesen Neuland. Dort geht am Dienstag eine Pflanzenkläranlage nach sechsmonatiger Bauzeit offiziell in Betrieb, die in Deutschland nach Auskunft von Verbands-Geschäftsführer Jens Nowak ihresgleichen sucht. "Lediglich im Saarland gibt es Anlagen eines ähnlichen Typs. Das in Frankreich entwickelte Verfahren kommt dort allerdings schon vielfach zum Einsatz", sagt Nowak. Kostenpunkt für die Anlage in Friesen, deren Betrieb sogar Forschungs-Gegenstand der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden ist: etwa 500.000 Euro.
Nach Auskunft des Geschäftsführers bietet dieses Verfahren der Mischwasser- und Schlammbehandlung für den Entsorger wie für die Kunden Vorteile. Die Mischabwässer von zirka 200 Einwohnern von Friesen und Teilen Obermylaus sowie das Niederschlagswasser vom Friesener Berg werden in der neuen Anlage geklärt - dafür bezahlen die einleitenden Haushalte anders als bisher zwar eine Vollanschlussgebühr, die andernfalls fällige Investition in eine vollbiologische Kleinkläranlage entfällt aber.
"Eine Alternative für Friesen wäre eine schon vom Bau her viel aufwändigere Teichkläranlage gewesen. Aber wir hätten dort auch keinen Platz", erklärt Jens Nowak. Zum Vergleich: Bei einer Anlage mit mehreren Teichen würde für das Klären eine Fläche von 15 Quadratmetern pro Einwohner benötigt, der Frankreich-Typ kommt mit drei Quadratmetern aus. "Es ist außerdem ein sehr naturnahes Verfahren, bei dem wir mit einem geringen Maß an Wartung und Betriebskosten auskommen", sagt der Geschäftsführer, der im Elsass die Vorzüge der Pflanzenkläranlage studiert hat. "Dort funktionieren die Anlagen mit einer Lebensdauer von mindestens 25 Jahren auch im Winter einwandfrei."
Die Anlage in der Nähe des Sportplatzes arbeitet laut Zweckverband auch bei großen Niederschlagsmengen sicher. So landet das im freien Gefälle zur Anlage fließende Mischwasser aus Abwässern und Niederschlag zunächst in einem so genannten Trennbauwerk, das bei Spitzenzuflüssen eine Überlastung der Anlage sowie Rückstau in den Kanal verhindert. Die Anlage kommt ohne die bei Anlagen mit biologischer Reinigungsstufe üblichen Belüftungs-Aggregate aus und setzt voll auf die biologischen Abbauprozesse durch Mikroorganismen, wie sie in der "naturähnlichen Umgebung" mit Wasser, Boden und in diesem Fall Schilf ablaufen.


