Gerangel um den Jakobsweg
Initiator will die Route über Reichenbach und Plauen abstufen - Hauptweg wäre dann der über Lengenfeld und Treuen
Lengenfeld/Neumark. Knapp ein Jahr nach der Einweihung des reaktivierten Jakobsweges Via Imperii von Zwickau über Reichenbach und Plauen nach Hof will ein Teil der Initiatoren diesen Weg zur Nebenroute herabstufen. Ulrich Wolf, Vorsitzender des Vereins Sächsischer Jakobsweg an der Frankenstraße, plädiert dafür, statt dessen den bislang als Nebenstrecke ausgewiesenen Jakobsweg Vogtland zur Hauptroute zu erklären. Der führt von Zwickau über Lengenfeld, Treuen und Oelsnitz nach Hof und gilt unter dem Namen Alter Weg ebenso sicher als ein Pfad, den einst Pilger aus dem sächsischen Raum in Richtung des großen Ziels, Santiago de Compostela in Spanien, gegangen sind.
"Der Vorstand tendiert dazu", sagt Wolf und kündigt eine Mitgliederbefragung an. Die Entscheidung soll bis 20. Juni fallen. Nach Ansicht von Ulrich Wolf, dessen Verein die Jakobswege im Freistaat reaktiviert und unter dem Label "Sächsischer Jakobsweg" zusammengeführt hat, sei der für die derzeitige Hauptroute zuständige Verein Jakobsweg Via Imperii zu inaktiv. Wolfs Verein arbeite mit Hochdruck an einem Pilgerführer, der neben detaillierten Angaben zum Weg auch Pensionen, Einkaufsmöglichkeiten und Bahnanschlüsse aufzählen soll. Der Alte Weg sei der historisch ältere Weg.
Dorothee von Römer, Vorstandsmitglied des in Neumark ansässigen Vereins Jakobsweg Via Imperii, sagt: "Es sind zwei verschiedene Wege." Die historische europäische Handelsstraße Via Imperii (Reichsstraße) werde vom gleichnamigen Verein betreut; man könne sie nicht einfach "Sächsischer Jakobsweg" nennen. Es sei unwichtig, welcher Weg "älter, schöner, besser" sei. Beide Wege sollten den Pilgern dienen. Dorothee von Römer geht auf Wolfs Kritik nicht direkt ein, dass Ausschilderungen und Zuarbeiten vom Verein der Via Imperii fehlten. "Zuarbeiten hängen auch von Zeitabläufen in Ämtern ab", sagt sie. "Schnellschüsse sind dabei wenig sinnvoll."
Unterdessen freut sich Gottfried Pester aus Irfersgrün, der als Initiator des Vogtländischen Jakobsweges gilt. Mit seinem Bau einer Kapelle hatte alles begonnen. Sollte aus der Neben- die Hauptroute werden, "dann wäre das eine Würdigung von sechs Jahren Arbeit", sagt Pester.

