Vertraute Gesichter bereiten dem Gesellen in Irfersgrün einen herzlichen Empfang. Von links: Christian Möllers Walz-Mentor Lars Ottwald, die Eltern Volkmar und Kerstin Möller, Schwester Susann und Geselle Bernd Bohr aus Heidelberg. Vertraute Gesichter bereiten dem Gesellen in Irfersgrün einen herzlichen Empfang. Von links: Christian Möllers Walz-Mentor Lars Ottwald, die Eltern Volkmar und Kerstin Möller, Schwester Susann und Geselle Bernd Bohr aus Heidelberg.

Foto: Franko Martin

Irfersgrün feiert Walz-Heimkehr

Christian Möller ist nach vier Jahren und sieben Monaten wieder daheim

Irfersgrün. Hoffentlich ist er noch gut, sagt Kerstin Möller. Und die Mutter von Christian Möller meint dabei nicht den Zustand des Sohnes, der heute Nachmittag nach vier Jahren und sieben Monaten Walz-Wanderschaft durch die ganze Welt das erste Mal wieder heimischen Boden betritt. Wenn der Tischler und Zimmermann mit einem ganzen Gesellen-Pulk von Hauptmannsgrün kommend das Irfersgrüner Ortsschild erreicht, gräbt er dort eine Flasche Schnaps aus. Genau am 18. November 2007 hat er sie dort nach Brauch der Bruderschaft der Freien Vogtländer vergraben, dann das Ortsschild überklettert und war hinausgezogen, um sein Handwerk und die Welt zu erobern.

Mit Feuerwehr und Landfrauen

Die Heimkehr des Enkels, Sohnes, Bruders und Freundes ist in den vergangenen Tagen von halb Irfersgrün vorbereitet worden. Zur Feier im Elternhaus, dem ehemaligen Gasthaus Zahn, erwartet die Familie weit mehr als 200 Gäste. Schon am Ortsschild in Höhe des Sportplatzes fährt ein Empfangs-Komitee auf, als wiederhole sich das im Vorjahr groß gefeierte Dorfjubiläum. Christians Vater Volkmar steuert einen Traktor mit geschmücktem Hänger. Es gibt Fest-Musik, die Irfersgrüner Feuerwehr rückt in voller Montur aus. Auch die Irfersgrüner Landfrauen wollen in traditioneller Tracht dem Sohn des Dorfs einen würdigen Empfang bereiten. Die Dorfjugend wird da sein und jeder, dem an so einem Augenblick etwas liegt.

So wie die Eltern, Opa Dietrich Möller, Schwester Susann und Lars Ottwald. Der Irfersgrüner Restaurator, Denkmalpfleger und Zimmermann hatte den damaligen Tischlerlehrling Christian einst mit auf ein paar Baustellen genommen. "Da hat er gesagt, das wäre auch was für mich. Da habe ich nicht widersprochen", berichtete Lars Ottwald am Freitag im elterlichen Hof des Heimkehrers. Dort, wo am Sonntag die Gulaschkanone zum Begrüßungs-Salut feuert, Schifferklavier-Musik ertönt, Reden gehalten werden und eine von der Stadt Lengenfeld zur Verfügung gestellte riesige Vogtland-Fahne am Haus flattert, ergänzt Mutter Kerstin: "Wir haben ihn ermuntert, das zu machen, denn er war schon immer ein unruhiger Geist."

Fernab der Heimat. Christian Möller auf einem Kliff an der australischen Küste. Fernab der Heimat. Christian Möller auf einem Kliff an der australischen Küste.

Foto: Privat

Die Welt, die Arbeit, der Mann

Und einer, der jetzt was draufhat: Drei Radrennbahnen hat Christian Möller mitgebaut. Eine in Kasachstan, eine in Schottland und eine in Japan. Er hat auf Tasmanien die Edelhölzer einer Yacht veredelt und auf den Philippinen für ein Haus Fenster gebaut, die an Nürnberger Butzen-Romantik erinnern: Winzige Sprossen, die statt Glas das Schimmern von Muschel-Perlmutt einfassen. Er zog Fertigteilhäuser in der Schweiz hoch und baute in Mexiko das Haus eines deutschen Auswanderers aus. Er sah Laos, Kambodscha und Thailand genauso wie die USA oder halb Skandinavien.

Christian Möller hat Lars Ottwald auch beim Wiederaufbau der historischen Zugbrücke der Festung Dömitz in Mecklenburg geholfen. Wenn es Christian dort gepackt hat, ist er einfach mal nach Feierabend die 150 Kilometer nach Hamburg getrampt, um im "St. Pauli-Eck" ein Bierchen zu trinken. Und in Hamburg, einem Umschlagplatz der reisenden Gesellen, war er am 9. Juni zur traditionellen Heimreisewoche quer durchs Land angetreten. Mit vielen anderen Gesellen rückt er am Samstag im Spinnenmarsch auf Irfersgrün vor. Dieses ebenso traditionelle wie verrückte Ende der Walz könnte mit Veitstänzen oder Klamauk-Einlagen schon vor dem Irfersgrüner Ortsschild bei Nichteingeweihten für große Augen sorgen.

Als er auszog, war Christian ein Halbstarker. Heute ist er 24 Jahre alt. Und was noch? Susann Möller, die ihren Bruder besucht hat, sobald er in Reichweite war: "Er ist schon noch der alte. Aber er kann jetzt viel mehr. Und er ist männlicher geworden und hat jetzt richtige Muskeln."

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Gerd Möckel )
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