Mit Frisurenmode aus vergangenen Zeiten punktet der Orwo-Kalender 2012. Die unverfälschten Aufnahmen beeindruckten die Jury.
Foto: Verlag
Kalender-Team siegt mit Klasse
"Orwo-Kalender 2012" des Reichenbacher Verlags Bild und Heimat hat erneut hohe Auszeichnung erhalten
Reichenbach/Stuttgart. Im vergangenen Herbst hatte der Orwo-Kalender der Reichenbacher bei der internationalen Kalenderausstellung in Stuttgart eine Bronzemedaille geholt, diesmal bekam das gleiche Produkt an gleicher Stelle sogar den Hauptpreis der Kodak-Fotokalender-Jury zuerkannt. Man habe "bewusst gegenläufig" entschieden, hieß es in der Begründung, und einen Kalender gewählt, der nicht mit modernen Bildbearbeitungstechniken perfektioniert wurde. "Orwo 2012 erinnert nicht nur an eine legendäre Filmmarke aus dem Osten Deutschlands, sondern belebt den Spirit einer Modewelt aus den 1960er und 1970er Jahren, die uns gänzlich exotisch vorkommen mag." Die Aufnahmen des Leipziger Fotografen Gerhard Fuhr seien "unverfälscht, originär und authentisch."
Bei Bild und Heimat ist die Freude groß: "Dieser Erfolg ist für unser Renommee und für Reichenbach gut", unterstreicht Verlagsleiterin Inge Weber. Mit einem ungewöhnlichen Konzept und hervorragender Qualität habe man sich auch gegen die Großen der Branche durchgesetzt. Die Auszeichnung gelte den Fotos ebenso wie der Herstellung, die von den im gleichen Gebäude untergebrachten Druckwerken Reichenbach übernommen wurde: "Die sehr gute Zusammenarbeit hat sich ausgezahlt." Insgesamt hatte die Jury 1200 Kalender aus aller Welt begutachtet, davon 700 Fotokalender.
Zur Preisverleihung in Stuttgart wurde der Reichenbacher Verlag durch Christian Robst vertreten, der vor kurzem als redaktioneller Mitarbeiter eingestellt wurde. Mit dabei war auch Fotograf Erasmus Schröter, der die Fotos von Gerhard Fuhr mit ausgewählt hatte. Der inzwischen 90-jährige Altmeister selbst konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mitfahren. "Aber er ist sehr glücklich darüber, dass seine Bilder noch einmal so zu Ehren kommen", berichtet Verlagsleiterin Weber. Sie sieht das traditionsreiche Unternehmen auf der Erfolgsspur, speziell seit der Übernahme durch die Eulenspiegel-Verlagsgruppe 2010. "Seitdem wird viel in neue Produkte investiert, gleichzeitig das Bewährte fortgesetzt."
Gab es im letzten Jahr allein zehn Neuentwicklungen, so sollen es in diesem Jahr 20 werden. Dazu zählen Kalender über den Mundharmonika-Spieler Michael Hirte ("Supertalent 2008"), zu Ostpreußen, Schlesien und Pommern, "Gesund durch das Jahr" oder mit witzigen Tierbildern. Der Schwerpunkt des Schaffens der Reichenbacher ist jedoch mit dem 1990 untergegangenen deutschen Teilstaat verbunden: Es gibt erstmals Kalender mit Aktfotografie aus der DDR, zu Autos und zu Traktoren in der DDR, DDR-TV-Serien, mit DDR-Witzen, Defa-Plakaten und DDR-Briefmarken (wobei echte Briefmarken beigefügt wurden). "Das ist unsere Nische", unterstreicht die Verlagsleiterin. Absoluter Renner aus dem Reichenbacher Sortiment ist der Konsum-Kalender, der die besten Werbe-Plakate aus der größten Handelskette der DDR vereint. Der gerade prämierte Orwo-Kalender sei dagegen eher etwas für die Fachwelt ihrer Branche, räumt Inge Weber ein. "Er hat uns viel Ansehen gebracht, zählt jedoch nicht zu den Bestsellern." Die Kataloge von Bild und Heimat erscheinen inzwischen in einer Ost- und einer West-Version: "Denn mancher Westdeutsche legt ihn sonst gleich beiseite, wenn am Anfang zu oft ,DDR' steht."


