Im Rathaus hofft man auf den neuen Markt: Damit könnte diese Bauruine an der Goethestraße verschwinden, ein innenstadtnahes Areal würde aufpoliert, und ein Kreisverkehr entstünde. Doch es gibt auch Bedenken.
Foto: Franko Martin
Kontroverse um Marktpläne
Stadtrat stimmt am Montag über umstrittenes Projekt ab
Reichenbach. Gegen die Pläne zum Bau eines weiteren Einkaufsmarktes in Reichenbach regt sich Widerstand. Wenige Tage vor einer am Montag geplanten Beschlussfassung im Reichenbacher Stadtrat bekräftigt Linken-Fraktionsvorsitzender Henry Ruß nicht nur die Ablehnung des Beschlusses, der die Billigung des zwischen Goethe- und Dr.-Külz-Straße geplanten Marktes und die Auslegung der Pläne vorsieht - Ruß hält der Stadtverwaltung darüber hinaus Versäumnisse vor.
Wesentliche Kritikpunkte seien bei der Vorabstimmung nicht berücksichtigt worden. Auf die Forderung nach einer Analyse der Auswirkungen eines solch großen Marktes und eines Verträglichkeitsgutachtens sei die Verwaltung nicht eingegangen. Die von einem Planungsbüro erarbeitete Begründung gehe nur "in schönfärbender Weise" auf die Kritikpunkte ein, erklärt Ruß.
Die wesentlichen vier Kritikpunkte: Erstens würde die ohnehin hohe Konzentration von Lebensmittelmärkten in diesem Teil der Stadt weiter zunehmen. Im Gegensatz dazu drohe zweitens den Bewohnern der Altstadt, dass es durch den Umzug des Rewe-Marktes vom Annenplatz in den geplanten Neubau dort keinen Lebensmittelmarkt mehr gebe. Ruß sieht drittens die Gefahr, dass die Konzentration von SB-Märkten zu einer Marktbereinigung führen könnte. Auf jeden Fall dürften auf die Märkte unweit des geplanten Neubaus Umsatzeinbußen zukommen. Viertens schließlich könnte der Konkurrenzdruck so manchen kleinen Händler in der Innenstadt in Bedrängnis bringen.
Eingeklemmt zwischen Goethe- (unten) und Dr.-Külz-Straße (oben) fügt sich das Projekt in den Plänen des Ingenieurbüros bestens in die Stadt ein. Der Investor würde den Kreisverkehr (rechts) finanzieren.
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Die Stadtverwaltung weist die Vorwürfe der Linken zurück. Fachbereichsleiter Sven Hörning betont, die von Ruß vermisste Analyse liege vor. "Die Bedenken wurden aus unserer Sicht beachtet", erklärte Hörning am Donnerstag auf Anfrage. Bislang drehe sich alles um eine freiwillige, vorgezogene Beteiligung, die gesetzlich geforderte Beteiligung von Bürgern und Trägern öffentlicher Belange folge nun.
Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) verteidigt die Pläne, da Rewe ohnehin den Standort am Annenplatz wegen Platzmangels verlässt und ohne einen Neubau der Stadt wohl den Rücken kehren würde. Zudem gehe er davon aus, dass sich nach dem Rewe-Auszug ein neuer Mieter finden würde. Der Annenplatz sei eine attraktive Lage.
Bislang haben die Neubau-Pläne im Stadtrat eine Mehrheit gefunden, insbesondere Linke und Gewerbeverein stehen dem Projekt jedoch kritisch gegenüber. Bereits jetzt gibt es überdurchschnittlich viel Verkaufsflächen in der Stadt. (mit gb)


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