Die Toiletten-Container am Vogtlandballon bleiben bis Ende März gesperrt.
Foto: Franko Martin
Landrat Lenk veranstaltet Toiletten-Gipfel
Zehntausende Touristen strömen alljährlich zur Göltzschtalbrücke - doch wehe, es überkommt sie ein dringendes Bedürfnis
Netzschkau/Plauen. Nach langjährigem Hickhack schien die Debatte um das Toilettenproblem an der Göltzschtalbrücke erloschen zu sein, doch jetzt gibt es neuen Ärger: Kreisrätin Karin Höfer (Linke) hat den Zustand der Toiletten kritisiert: Derlei passe nicht zu den seit dem Neustart des Vogtlandballons wieder wachsenden Gästezahlen. Landrat Tassilo Lenk (CDU) reagierte prompt: Er berief für Donnerstag sozusagen einen Toiletten-Gipfel ein. Lenk will die Chance nutzen, um mit Vertretern der drei Anrainer-Städte Netzschkau, Mylau und Reichenbach "viele weitere Probleme" im Zusammenhang mit der Betreibung des Brückenareals zu klären.
Zuständig für den Betrieb des zu kleinen und für Behinderte ungeeigneten Container-WC ist die kreiseigenen Vogtland Kultur GmbH. Deren Geschäftsführer Jens Pfretzsch-ner sagt: "Die allgemeine Toilettensituation 2011 war den örtlichen Gegebenheiten völlig angemessen." Auf eine Beschwerde wegen des verschmutzten WC-Containers habe die GmbH sofort reagiert. Doch barrierefreie Toiletten seien nur im Rahmen eines Neubaus machbar, dafür fehle das Geld. Seit der Kulturraum Vogtland-Zwickau keine Mittel für Freiluft-Gelände wie das an der Göltzschtalbrücke bewilligt, sei die Situation noch prekärer.
Die Anrainer-Städte haben bereits im Sommer 2011 abgelehnt, für die gestrichenen Kulturfördermittel einzuspringen. Weil der Winterbetrieb zu teuer und der Andrang nur gering sei, habe die Kultur GmbH das WC im Winter fünf Monate lang geschlossen. Jens Pfretzschner bedauert dies, ihm bleibe jedoch angesichts der finanziell schwierigen Lage keine andere Wahl. Falls die politisch Verantwortlichen eine Lösung fänden, "würde ich mich darüber freuen", erklärt Pfretzschner.
Der Streit um die Toiletten des jährlich Zehntausende anlockenden Touristenmagneten reicht weit zurück. "In der Tat besteht dringender Handlungsbedarf", schreibt Lenk jetzt an Höfer. Doch er selbst hat die Zusage für ein Behinderten-WC bis heute nicht erfüllt.
12. Januar 2001: Zur Vorstandswahl des Fremdenverkehrsvereins Nördliches Vogtland wird erneut das Fehlen öffentlicher Toiletten kritisiert.
29. Mai 2001: Vereinschefin Christa Trommer nennt den Zustand "gelinde gesagt eine Schweinerei". Kritik gibt es am mangelnden Engagement des Vogtlandkreises.
18. Februar 2002: Stadt Netzschkau und Vogtlandballon-Firma kündigen an, das Container-WC am Ballon ganzjährig öffentlich freizugeben.
26. März 2002: Die Kreisbehörde erklärt, man wolle "keinen Toilettentourismus fördern". Die Reaktion der Tourismus-Branche kommt prompt. Wer so etwas sage, habe keine Ahnung vom Tourismus, heißt es.
4. März 2003: Ein kleiner Verein schafft kurzfristig am Alaunbergwerk Mühlwand, woran sich geballte Behördenmacht wenige Kilometer göltzschabwärts die Zähne ausbeißt: eine öffentliche Toilette.
26. November 2004: Ballon-Betreiber Werner Reichert beklagt, er werde mit den WC-Kosten allein gelassen.
6. September 2005: Der Reichenbacher Behindertenrat übt scharfe Kritik: Das Gelände der Göltzschtalbrücke samt WC sei nicht barrierefrei.
27. April 2007: Weil bei der Sanierung des Göltzschtalbrücken-Geländes Geld übrig geblieben ist, soll das leidige Problem gelöst werden. Die Anlagen bleiben nach dem Aus des Ballons in Nutzung. Ein behindertengerechter Toilettencontainer soll zusätzlich her, kündigt der Kreis an. Bis heute ist daraus nichts geworden.
12. April 2008: Bürgermeister-Kandidat Dieter Käppel fordert, das WC müsse wieder öffnen. Doch zu dem Zeitpunkt war's gar nicht zu. Käppel räumt den Fehler ein und wirft sogar seine Kandidatur hin.
22. September 2011: Die kreiseigene Kultur GmbH erhält weniger Fördermittel fürs Brückenareal und fordert daher 34.000 Euro Zuschuss vom Kreis. Doch den gibt's bislang nicht.
1. November 2011: Die Kultur GmbH schließt das WC für fünf Monate.


