Die Musiker der Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach haben im Neuberinhaus zum Jahresauftakt ihr Publikum begeistert.
Foto: Franko Martin
Mit der Philharmonie ins neue Jahr
21 Neujahrskonzerte stehen auf dem Spielplan des Vogtlandorchesters Greiz/Reichenbach
Reichenbach/Greiz. Es geht immer höher und weiter: selbst bei Dingen, die einen legendären Ruf haben. Was am Wochenende bei den drei Greizer Silvester- und zwei Reichenbacher Neujahrskonzerten der Vogtland Philharmonie zu erleben war, darf getrost als Vorstoß in eine neue Dimension bezeichnet werden. Geboten wurde eine Veranstaltungsform, die noch Konzert war, aber zugleich schon mehr, die haarscharf ans perfekt Unterhaltende und das Spektakuläre grenzte.
In diesem Programm gab es kaum einen Beitrag, in dem die Akteure nicht kostümiert waren, das Gespielte oder Gesungene in kecker Form begleiteten, unbeschwert Bezüge zum Jahreswechsel herstellten oder anderweitig die Blicke auf sich lenkten. Das begann mit den Schlagzeugern Kay Klipfel und Stefan Genschorek, die ihre Becken- und Trommel-Soli in Johann Strauß' Schnellpolka "Donner und Blitz" gebührend hervortreten ließen. Das setzte sich fort in den keine Mühe scheuenden Auftritten der Solisten Andrea Chudak (Sopran) und Joachim Goltz (Bariton). Letzterer erschien bei Carl Zellers "Ich bin die Christl von der Post" als reich behängte Diva, die - bevor Andrea Chudak auf den Plan trat - zunächst das Publikum singen ließ. Und beim Lied der Olympia aus Jacques Offenbach "Hoffmanns Erzählungen" mussten, um mit der sich werktreu den Gesetzen der Mechanik unterwerfenden Solistin fertig zu werden, sogar Orchesterwart Rainer Mulks und Generalmusikdirektor Stefan Fraas mit ins Geschehen eingreifen. Apropos Stefan Fraas: Der Intendant und Dirigent der Philharmonie legte bei seinen Rezitationen - namentlich bei einigen Glanznummern Heinz Erhardts - noch ein ganzes Stück zu und fasste sich ansonsten wohltuend kurz. Da saß jedes Wort.
Bei all dem - und das ist keinesfalls die kleinste Botschaft - kam das rein Musikalische nicht zu kurz. Zum Auftakt rauschte Otto Nicolais Ouvertüre zu seiner Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" leicht und spritzig, gefühlstief, farbenreich und voller Leben bis zum letzten Ton vorbei. Ähnlich frappierend gelangen auch die anderen Orchesterstücke sowie die Begleitungen - angefangen von Kostproben aus Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" bis hin zu Irving Berlins "Alles was du kannst".
Während manches andere Orchester sich um eine möglichst große Nähe zum Originalklang aus der Zeit der Komponisten bemüht, geht die Philharmonie offenbar einen anderen Weg. Man sucht dort nach einem heutigen, zeitgemäßen Klang, der eine tüchtige Portion Tempo und Frische verströmt, der bewegen und gefallen und auch den letzten Staub von der sinfonische Besetzung pusten will. Das aktuelle Silvesterkonzert dürfte ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg sein.
Der überwältigende Beifall der knapp 4000 Besucher in Greiz und Reichenbach galt auch den überzeugenden, seit langem mit dem Orchester verbundenen Solisten. Andrea Chudak imponierte einmal mehr mit sicherer Höhe, weichem Legato und schneller Zunge. Joachim Goltz verfügt über eine derzeit im Baritonfach seltene Stimmkraft und Dynamik. Seine jüngste Verpflichtung ans Staatstheater Wiesbaden kommt nicht von ungefähr.


