Kesselwagen Der mit Methanol befüllte Kesselwagen wurde am Montagmittag abtransportiert. Experten suchen seitdem nach der Unfallursache.

Foto: Ellen Liebner

Nach Bahnunfall: Ursache gesucht

Zweiter Wagen des Unglückszuges am Montag geborgen - Hoher sechsstelliger Schaden angefallen

Herlasgrün. Herlasgrün. Nach dem Bahnunfall in Herlasgrün, bei dem zwei Chemikalien-Kesselwagen eines Güterzuges entgleist waren, hat am Montag die Ursachenforschung begonnen. Dazu nahmen Experten aus dem Eisenbahnbundesamt sowie speziell geschultes Personal der Bundespolizei die Ermittlungen auf.

Ein schnelles Ergebnis sei nicht zu erwarten, informierte Polizeihauptkommissar Mario Speer von der Klingenthaler Dienststelle der Bundespolizei. "Momentan deutet jedoch nichts darauf hin, dass es Ursachen im strafrechtlich relevanten Bereich gibt", sagte er.

Technisches Versagen sei sehr wahrscheinlich. Er wies aber Gerüchte zurück, wonach der Bruch einer Achse den Unfall ausgelöst hat. "Bis jetzt ist gar nichts klar." Auch nicht die Höhe des Sachschadens. Schätzungen gehen von einem hohen sechsstelligen Betrag allein an der Infrastruktur aus. Tendenz steigend.

Unterdessen konnte am Vormittag der zweite entgleiste Waggon mit Methanol geborgen werden, ohne dass die Chemikalie abgepumpt werden musste. "Damit konnten auch die Anwohner in ihren Wohnungen bleiben", erklärte Speer. Bei den Arbeiten am Samstagvormittag mussten diese vorsorglich evakuiert werden. Einer der beiden rollenden 80.000-Liter-Tanks war mit Wasserstoffperoxid befüllt. Kommen beide Chemikalien in Berührung, besteht Explosionsgefahr.

Trotz Räumung der Unfallstelle - an eine zügige Freigabe der Sachsen-Franken-Magistrale ist momentan nicht zu denken. Das Gleis wurde vom Bahnhof Herlasgrün ab in Richtung Jocketa auf einer Länge von 350 Meter beschädigt.

"Ein großer Teil wurde dabei so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er wahrscheinlich komplett ausgetauscht werden muss", sagte Bahnsprecherin Aenne Kliem am Montag. Die Arbeiten seien bereits beauftragt und hätten "höchste Priorität".

Mittlerweile ist auch klar, wie die Behinderungen im Schienenverkehr aussehen. Demnach wird das verbliebene Gleis beidseitig befahren - vom Interregio Express auf der Strecke von Nürnberg nach Dresden. Bei den Regional-Express-Verbindungen zwischen Hof und Dresden sowie zwischen Hof und Leipzig werden für die meisten Züge zwischen Reichenbach und Plauen Busse eingesetzt.

 
erschienen am 08.03.2010 ( Von Tino Beyer )
 
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