Marlies Pocklitz, Vereinschefin und Oma von Nele. Marlies Pocklitz, Vereinschefin und Oma von Nele.

Foto: Thomas Michel/Archiv

Nele: Reichenbacher Familie sehnt Tag 85 herbei

Nach Knochenmarktransplantation und kleineren Rückschlägen sieht alles gut aus

Reichenbach. Wer mit Marlies Pocklitz spricht, redet mit einer Frau voller Energie und Tatendrang. Nur manchmal schimmert durch, wie erschöpft die Oma von Nele nach einem monatelangen Kampf um ihre Enkelin sein muss. Dann spricht sie von einer Achterbahn der Gefühle und der Grenze der Belastbarkeit, die fast erreicht ist.

Am Montag war Tag 81 nach der Transplantation von Knochenmark an der Uniklinik in Jena. Am Freitag, Tag 85, soll Nele endlich nach Hause kommen. "Wir hatten ja schon gehofft, sie zum zweiten Geburtstag Anfang Juni wieder daheim zu haben, aber irgendwie hatte sie sich ein paar Viren eingefangen", sagte Marlies Pocklitz am Montag, nachdem ein Arzt grünes Licht für Freitag gegeben hatte. Derzeit geht es dem bis zur Transplantation an einem Defekt des Immunsystems leidenden Mädchen richtig gut. Sie lacht und scherzt mit dem Personal und richtet manchmal auch ihre Familie auf. Und genießt Leberkäse aus Reichenbacher Produktion. "Hundert Gramm hat sie weggeputzt wie nichts und dann das Papier hin und her gewendet", berichtet die Oma.

Und Nele nimmt jetzt auch schon die Medikamente selbst ein, die bisher noch über einen Katheder gegeben werden mussten. "Damit brauchen wir vermutlich keinen speziellen Pflegedienst, der die Medikamente geben würde", spricht Marlies Pocklitz über die Zeit nach der Heimkehr. Bis zum Tag 100 muss Nele den Katheder dennoch tragen. Die Transplantation gilt als erfolgreich abgeschlossen, wenn ein Jahr ohne größere Probleme ins Land gegangen ist. In 283 Tagen.

Für alle Familien der Kinder, die in der Uniklinik Knochenmark transplantiert bekommen, gilt ab dem Tag des Eingriffs eine neue Zeitrechnung. Und alle hoffen dort für alle. Auch für das kleine Mädchen, das am Montag Knochenmark von ihrem sechsjährigen Bruder transplantiert bekommen hat. "Diese Familie steht jetzt am Tag null und wird noch viel Kraft brauchen", sagt Marlies Pocklitz. Sie muss jetzt die Wohnung auf Vordermann bringen. Bei Neles Empfang soll alles blitzen.

Da rückt der Streit mit einem Verein bei Bremen wegen der Namensähnlichkeit zum Löwenherzenverein erstmal in den Hintergrund. Die Reichenbacher wollen einlenken und ihren Verein umbenennen. Vermutlich in "Die Löwen". Auch das würde passen.

 
erschienen am 25.06.2012 ( Von Gerd Möckel )
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