Gewimmel am Donnerstagvormittag auf dem Marktplatz von Netzschkau: Zwei Kitas demonstrierten für mehr Fachpersonal.
Foto: Franko Martin
Netzschkau: Kitas verschaffen sich auf dem Marktplatz Gehör
Kinder und Erzieherinnen der Awo-Kitas "Märchenland" und "Schlosspark" haben für mehr Fachpersonal demonstriert
Was ist denn das für ein Lärm auf dem Marktplatz? Das fragten sich am Donnerstag 9.30 Uhr Anwohner und Passanten. Mädchen und Jungen der Netzschkauer Awo-Kindertagesstätten "Märchenland" und "Schlosspark" ließen lautstark Vuvuzelas, Rasseln, Schellen, zu Trommeln umfunktionierte Eimer und ein Signalhorn erklingen. Außerdem hatten sie zwei große Transparente gebastelt. Gemeinsam mit ihren Erzieherinnen verliehen sie so dem Anliegen Nachdruck, den Personalschlüssel in Sachsens Kitas zu verbessern. "Weil Zuwendung Zeit braucht" und "Weil jedes Kind das Recht auf einen guten Start durch Bildung hat", lauteten zwei der aufgelisteten Argumente.
Die im April gestartete Kampagne "Weil Kinder Zeit brauchen" wird von der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft und den Elternverbänden in Sachsen getragen. Zentrale Forderung ist, die Personalschlüssel für Krippenkinder von bisher 1:6 auf 1:4, für Kindergartenkinder von 1:13 auf 1:10 und im Hort von 1:20 auf 1:16 zu ändern. Vor- und Nachbereitung will man als 20 Prozent der Arbeitszeit berücksichtigt sehen. Auf 100 Kita-Plätze müsse eine Freistellung für die Kita-Leitung erfolgen.
Annett Breiter, Leiterin der Kita "Schlosspark", übergab die Transparente und einen Satz Briefe für die Stadträte an Bürgermeister Werner Müller (SPD). "Sachsen hat im Vergleich zu seinen Nachbarn den schlechtesten Personalschlüssel. Es fällt schwer, den 2006 eingeführten Sächsischen Bildungsplan umzusetzen. Das geht nicht so weiter. Deshalb machen wir mobil. Und wir hoffen, dass uns der Bürgermeister und die Stadträte dabei unterstützen", sagte Breiter.
"Ich nehme mich der Sache gern an, auch wenn die Stadt eigentlich die falsche Adresse ist. Der Freistaat muss handeln", erklärte Werner Müller. Für den Fall, dass die Kampagne erfolgreich ist, erwartet er Mehrkosten von 470.000 Euro. "Der Freistaat trägt nur ein Drittel. Die Stadt müsste rund 320.000 Euro selbst aufbringen. Da würde es auch nicht helfen, die Elternbeiträge voll auszureizen. Die ganze Finanzierung gehört neu geregelt", findet er.
Unterschriftslisten für die Kampagne "Weil Kinder Zeit brauchen" liegen in den Kitas und in Geschäften in Netzschkau aus.

