Sabine Käppel, die Medizinische Fußpflege in Netzschkau und Reichenbach anbietet, ist mit der neuen Steuerregelung konfrontiert.
Foto: Franko Martin
Netzschkau/Reichenbach: Kosten für Fußpflege steigen
Neue Regelungen bei podologischer Behandlung umgesetzt
Netzschkau/Reichenbach. Eingewachsene Zehennägel, Nagelpilz, Hühneraugen und krankhafte Hornhautverdickungen - das sind die verbreiteten Leiden, mit denen Patienten zur medizinischen Fußpflege kommen.
Mitte des Monats entdeckte Joachim Scholz, als er die Medizinische Fußpflege Käppel am Netzschkauer Markt besuchte, einen Aushang. Dieser verkündete: Ab 1. Juli 2012 müssen auf die podologische Behandlung 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden, wenn keine ärztliche Verordnung vorliegt. Eine podologische Komplexbehandlung, die bislang 15 Euro kostete, wird damit 2,85 Euro teurer.
"Warum ist das so?", fragt Joachim Scholz und ist besorgt: "Ist man sich bewusst, dass dieser Aufschlag die meisten Patienten - weithin ältere Leute mit kleiner Rente, die eine solche Versorgung unbedingt brauchen und sich schlecht wehren können gegen einen Verwaltungsbeschluss vom grünen Tisch her - hart trifft?"
Zur Ursache erklärt Helga Hübner, Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen im Zentralverband der Podologen und Fußpfleger (ZFD) so: "Bislang vertrat die Oberfinanzdirektion die Auffassung, dass für eine Umsatzsteuerbefreiung die ordentliche Diagnose und Dokumentation des Podogen ausreicht. Das ist nun anders. Nunmehr ist die ärztliche Anordnung entscheidend für die Steuerbefreiung." Für die normale kosmetische Fußpflege galt die Mehrwertsteuer übrigens schon immer. Die Patienten haben die Änderung aus ihrer Sicht "erstaunlich gelassen" aufgenommen. "Sie sagen: Es wird eh alles teurer." Verbandsmitglieder, so Hübner, befürchten aber, dass mit der Entscheidung der Finanzbehörden die Schwarzarbeit gefördert und das Gesundheitssystem stärker belastet wird: "Die Podologen müssten die Patienten bei jeder kleinen Sache zum Arzt schicken."
Dieter Käppel, Kaufmännischer Leiter der Medizinischen Fußpflege, die seine Frau Sabine in Reichenbach und Netzschkau betreibt, sagt: "Die Steuer erzeugt Frust. Zum Podologen geht ja keiner, der Glitzersteinchen auf die Zehennägel haben möchte. Die Leute kommen mit Schmerzen. Dass sie nun auch noch 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen sollen, freut keinen." Von der Politik seien sie nichts anderes gewohnt, sagen sie. Die meisten sähen aber ein, dass die Podologen nichts dafür können. "Für Ärger sorgte, dass das Ganze so kurzfristig kam. Wir wurden erst Mitte Juni informiert. Da waren die Bestellbücher für Juli schon voll - wir durften den Patienten dann beibringen, dass es teurer wird", erklärt Käppel. Für den Podologen sei damit der Vorteil eines Heilberufes dahin. Eine ärztliche Verordnung podologischer Behandlungen erfolge meist nur bei Diabetes.
Der ZFD unterstützt eine Klage gegen die neue Verwaltungsauffassung vor dem Finanzgericht Schleswig-Holstein. "Bis zu einem Urteil werden aber wohl zwei, drei Jahre ins Land gehen", schätzt Käppel.

