Weil die Pfarramtswohnung am Kirchplatz in Lengenfeld in sehr schlechtem Zustand ist, wird die Sanierung eine teuere Angelegenheit.
Foto: Franko Martin
Pfarrhaus in Lengenfeld ist marode
Sanierung gestaltet sich schwieriger als gedacht
Lengenfeld. Eigentlich war nur eine normale Renovierung der Pfarrwohnung im Pfarrhaus am Kirchplatz vorgesehen. Als die freiwilligen Helfer der Kirchgemeinde vor ein paar Wochen mit den Arbeiten anfingen, ahnte noch niemand, welche Lawine auf die Helfer zurollt.
Bei Kontrollen des Zustandes der Hölzer stellte sich heraus, dass sowohl die Deckenbalken zwischen Erdgeschoss und Obergeschoss als auch die zwischen Ober- und Dachgeschoss vom Hausschwamm befallen sind. Angegriffen sind auch die Ständer, also Teile des Fachwerkes im Gebäude. Alle vom Hausschwamm befallenen Teile müssen ausgewechselt werden. Damit ist klar, dass das Gebäude anschließend auch neue Fußböden braucht. Doch damit nicht genug. Weil in die Ständer eingegriffen werden muss, war es nötig, die Türen auszubauen. "Das ging jedoch nicht unbeschadet. Nun brauchen wir auch neue Türen", berichtet Rainer Lorenz, Mitglied der Kirchgemeinde aus Lengenfeld. Lorenz kommt aus der Baubranche und koordiniert im Auftrag des Kirchenvorstandes das Baugeschehen.
Um an die Wände zu kommen, musste außerdem die noch brauchbare Heizungsinstallation entfernt werden. Eine Erneuerung der Fenster ist ebenfalls unumgänglich. Der Zahn der Zeit habe daran genagt, manche Schenkel sind verfault. Verfault sind auch die Dielen im künftigen Arbeitsraum des Pfarrers im Erdgeschoss. Weil zudem eine Horizontalsperre des Mauerwerks nur teilweise vorhanden ist, steigt Feuchtigkeit in den Wänden nach oben. Deshalb muss die Feuchtigkeitssperre komplettiert werden.
Probleme gibt es auch mit dem Dach: Der Belag besteht aus undichten Asbestschiefern. Er muss kostenpflichtig entsorgt werden. Als neue Dacheindeckung sind Naturschiefer vorgesehen. "Weil auf dem Tischendorfhaus und auf der Kirche auch Naturschiefer sind und uns der Denkmalschutz eine dunkle Eindeckung vorschreibt. Das Gebäude und der Kirchplatz stehen unter Denkmalschutz", berichtet Lorenz. Bei der Überprüfung des Dachstuhls stellte sich jedoch heraus, dass die Schalung aus nur 18 bis 20 Millimeter dünnen Brettern besteht. "Würde man auf diese dünnen Bretter die Naturschiefer nageln, würde das ganze Dach vibrieren. Die Nägel würden sich lockern und die Schiefer herunter fallen", so Lorenz. Also muss auch die Schalung erneuert werden. Hinzu kommt: Die Elektro- und Sanitärinstallation sind grundlegend erneuerungsbedürftig.
Grund für den schlechten Zustand des Hauses sei zum einen das Alter von etwa 130 Jahren und zum anderen die Tatsache, dass nie ernsthaft etwas an der Gebäudesubstanz gemacht wurde, so Lorenz. Wie viel die Instandsetzung kosten wird, ist noch völlig offen. "Wir sind gerade dabei, Angebote einzuholen. Fest steht lediglich, dass es eine große Summe wird." Und dass die Bauarbeiten bis Ende Juli abgeschlossen sein müssen: Im August zieht der neue Pfarrer, Jörg Martin Spitzner, in die Wohnung. Über die Finanzierung hat sich der Kirchenvorstand bereits Gedanken gemacht. "Wir werden einen Zuschuss vom Regionalkirchenamt bekommen und hoffen auf Fördermittel von der Stadtkernsanierung. Den Rest müssen wir über einen Kredit finanzieren", kündigt er an. Einen Spendenaufruf will der Kirchenvorstand nicht starten. "Die Leute spenden doch schon laufend für die Kirche. Mehr ist nicht zumutbar", so Lorenz. Denn auch die Kirchenrestaurierung müsse weiter gehen. "Der gesamte Treppenaufgang auf der Kirchplatzseite muss erneuert werden, auch alle Podeste an den Seiteneingängen. Das wird auch nicht ganz billig", ahnt der Baufachmann schon jetzt.


