Philharmonic Rock 2012 an der Göltzschtalbrücke - eine tolle Show vor beeindruckender Kulisse.
Foto: Franko Martin
Philharmonic Rock an der Göltzschtalbrücke zieht rund 4800 Besucher an
Stefan Fraas hat Riesenapparat auf der Bühne sicher im Griff
Reichenbach/Netzschkau. Ein glänzend besetztes Ensemble garantiert noch lange kein Wahnsinns-Konzert. Die Akteure müssen sich auch zusammenfinden, an einem Strang ziehen, einer den anderen zur Geltung kommen lassen. Bei Philharmonic Rock Samstagabend an der Göltzschtalbrücke gelang das auf faszinierende Weise. Die jüngste Auflage der 1994 von Stefan Fraas und Jens Pfretzschner begründeten Konzertform dürfte eine der bisher besten gewesen sein.
In puncto Drive und Ausstrahlung war der Abend kaum zu toppen. Es dauerte nur Sekunden, bis die Hochstimmung, die auf der Bühne herrschte, auf die gut 4800 Besucher übersprang. Und danach stiegen die Temperaturen oben wie unten weiter stetig an.
Orchester ist das Fundament
Das lag zum einen an den verpflichteten Gesangssolisten, die allesamt den Höhepunkt ihrer Karriere noch vor sich haben und deshalb ganz selbstverständlich 110 Prozent geben. Jasmin Graf eiferte - etwa bei "One Moment in Time" - gekonnt Whitney Houston nach, Jeannette Wernecke bekam problemlos klassischen Koloraturgesang, Jazziges und Italo-Pop à la Laura Pausini unter einen Hut. Franco Lèon schließlich brachte mit jedem Titel - sei es von Prince, Chicago oder Robbie Williams - eine neue Windstärke auf die Bühne.
Gute Figur machte auch Konzertmeister Sergej Synelnikov, der wirkungsvoll Geigen-Klassiker bot. Bei zarten Passagen, wo die Violine allein auf weiter Flur war, herrschte im sonst so lebhaften Rund atemlose Stille.
Kaum weniger bedeutsam war, was sich im Rücken der Solisten tat. Da heizten Henrike Müller-Gräper, Annett Putz und Anja Schumann von Voc-A-Bella mit lupenreinem Background-Gesang das Geschehen an, und die René-Möckel-Band mit dem "Chef" an den Tasten, Reiko Brockelt (Altsaxofon), Benjamin Richter (Bassgittarre) und Heiko Jung (Drums) stand für einen quicklebendigen Rock-Sound.
Die Vogtland Philharmonie kam dabei mitnichten zu kurz. Fraas und Pfretzschner gaben dem Orchester gerade in den neueren Cover-Versionen ausgiebige Soli, bei denen die ohnehin heiße Musik noch ein Stück an Klang und Fahrt gewann. Spiritus Rector des Ganzen war Generalmusikdirektor Stefan Fraas. Er garantierte nicht allein ein reibungsloses Zusammenspiel; der Intendant und Dirigent der Vogtland Philharmonie bewies auch frappierend, wie gut sich Rockmusik und Taktstock vertragen können, wenn einer die Stücke kennt und liebt. Manche rasante Überleitung, manche abrupte Steigerung bekamen durch den Mann am Pult erst den richtigen Pep.
Feuerwerk krönt den Abend
Mit Falko Maiwald war an dem von einem opulenten Feuerwerk gekrönten Abend, bei dem sich Krauß Event Zwickau hervorragend als Veranstalter bewährte, auch ein agiler Moderator zu erleben.
Zu arbeiten wäre weiterhin an der tontechnischen Seite der sicher nicht einfach wiederzugebenden Vielfalt. Reserven gibt es noch in puncto eines rundum authentischen Orchesterklangs, den man unbedingt weiter anstreben sollte. Und es wäre vielleicht zu empfehlen, die Band - im Interesse der Gesangssoli - von der Lautstärke her einen Tick zurückzufahren.
Der nächste Termin für Philharmonic Rock unter der Göltzschtalbrücke steht mit dem 18. Mai 2013 schon fest.

