Ausdauernd: Andrew Young setzte mit seinem Saxofon Akzente. Er legte ein Solo mit einem unglaublich langen Dauerton hin.
Foto: Franko Martin
Philharmonic Rock medlet sich eindrucksvoll zurück
4000 Gäste, gute Stimmung und Regen - auch nach sechs Jahren Pause war es an der Göltzschtalbrücke wie eh und je
Netzschkau. Netzschkau. Philharmonic Rock ist nach sechs Jahren Abstinenz an die Göltzschtalbrücke zurückgekehrt und hat 4000 Besucher angezogen, obwohl Petrus kein Einsehen mit Musikern und Gästen hatte. Jörg Hempel vom Veranstalter Krauß Event AG äußerte sich dennoch zufrieden und deutete eine mögliche Neuauflage an. "Zufriedene Zuschauer, vier Zugaben und stehender Applaus machen Hoffnung auf eine jährliche Wiederholung, vielleicht 2012 wieder an einem Pfingstsamstag", erklärte Hempel am Montag.
Am Samstag ging es pünktlich 20 Uhr mit dem Vorprogramm los. Daniel Schramm, Gitarrist und Sänger der Pink-Floyed-Cover-Band "Inside out", trat als solider Interpret von Rock-Größen wie Eric Clapton oder James Taylor auf. Dann ging der erste Regenschauer nieder. "Philharmonic Rock an der Göltzschtalbrücke ohne Regen wäre wie das Münchner Oktoberfest ohne weiß-blauen Himmel", meinte Johannes Pentenrieder aus Reichenbach. "Kollektives Nasswerden gehört dazu", meinte Moderator Jan Meinel.
Ab 21 Uhr präsentierte sich Philharmonic Rock in gewohnter Weise als Symbiose von Orchester, Rock-Band, Solisten und Chor unter dem Motto "Let's come together" mit einem abwechslungsreichen Repertoire. Das Konzert vereinte Musiker verschiedener Stilrichtungen und Gäste aller Generationen aus Oberfranken, Sachsen und Thüringen, was an den Kennzeichen der rund um das Festgelände geparkten Autos deutlich wurde. Die Jüngeren wurden vor allem von DSDS-Star Linda Teodosiu angezogen, die wie "Klar"-Sänger Thomas Hahn schon mehrfach mit der Vogtland-Philharmonie aufgetreten ist. Die drei Sängerinnen von Voc-A-Bella sind wesentlich mehr als ein Background-Chor. Sie konnten bei der Interpretation von Titeln der Rock-Ladies Tina Turner oder Suzi Quatro ihre Stimmgewalt unter Beweis stellen. Saxofonist Andrew Young gewann die Herzen der Musikfreunde durch die Vervollkommnung seines Solos mit einem Dauerton über gefühlte fünf Minuten. Als hervorragender Partner der Vogtland Philharmonie erwies sich auch diesmal die Renè-Möckel-Band, die selbst bei den eher klassischen Programmteilen mit dem Orchester verschmolz. Die solistische Leistung des Nachwuchs-Geigers Elin Kolev führte zu Jubelstürmen. Bei Chatschaturjans Säbeltanz flitzte der Geigenbogen nur so über die Saiten, um später bei Vivaldis "Vier Jahreszeiten" den "Sommer" flehend herbeizurufen.
Neben dem Wetter, dem viele von Anfang an nicht trauten, gab es noch eine Unbekannte: Bis zum Schluss wurde geheim gehalten, welchen Titel der Chor des Reichenbacher Goethe-Gymnasiums am Ende der Veranstaltung singen wird. Gemeinsam mit vielen Zuschauern wurde DJ Ötzis "Ein Stern, der deinen Namen trägt" angestimmt, auch wenn der wolkenverhangene Himmel kein Sternlein blinken ließ.
Die Veranstaltung bewies, dass Philharmonic Rock die frühere Distanz zwischen Künstlern auf der Bühne und Zuschauern auf dem Platz verloren hat. Thomas Hahn holte sich ein Mädchen zur Unterstützung auf die Bühne, Linda Teodosiu wechselte extra die Schuhe, um sich unter das Publikum zu mischen.

