Erst Zeitung gelesen, dann ins Auto gestiegen und schließlich mit dem Vogtland-Ballon aufgefahren. Hella und Peter Demmler (links) kamen mit Gina Baumann aus Zwickau, Kristina und Rolf Fischer aus Chemnitz (vorn rechts). Und die Holländer Hanneke und Rob van Bree waren "very happy", dass aus dem Ausflug an die Göltzschtalbrücke ein richtiger Flug wurde.
Foto: Franko Martin
Premiere mit Kaiser-Wetter und Sekt
Beim Comeback des Vogtland-Ballons knüpfte der Touristen-Magnet dort an, wo er vor 2007 aufgehört hatte
Netzschkau. Die Nachricht, die via "Freie Presse" am Dienstagmorgen druckfrisch auf vielen Frühstückstischen gelesen wurde, sorgte postwendend bei nicht wenigen sofort für Ausflugsstimmung: "Leinen los für den Vogtland-Ballon". Gäste aus dem Vogtland, aus Zwickau oder Chemnitz, sogar Schweden und Holländer standen kurz vor zehn an der Göltzschtalbrücke, um die Jungfernfahrten am ersten Ballon-Tag seit Einstellen des Fahrverkehrs ziemlich genau vor vier Jahren mitzumachen. "Ich habe es immer gehofft. Dieser Ballon gehört doch wie die Göltzschtalbrücke zu den Highlights der Region", sagte etwa der Netzschkauer Stadtrat Günter Antelmann, bevor er mit weiteren Gästen die Premierenfahrt antrat.
Günter Antelmann hatte zu den Premieren-Gästen gehört, die Manfred Dörjer vom Ballonbetreiber GTG Göltzschtaltouristik gratis auf 150 Meter Höhe auffahren ließ. Schließlich gehörten er und zahlreiche andere Vogtländer zu den freiwilligen Helfern, die den Ballon im Mai mit aufgebaut hatten. Damals war am Standort von einem kleineren, lediglich für die Tests des Ballonkran-Systems von CL Cargolifter benötigten Exemplars auf den großen Ballon umgerüstet worden. "Und damals waren wir alle nass bis auf die Haut", erinnerte sich Günter Antelmann im Gespräch mit Ballon-Pilot Gerd Melchinger und mit bombigen Ausblick auf die gerüstfreie Göltzschtalbrücken-Front.
Die Krönung für die Schweden
Von Kaiser-Wetter, der beinahen Windstille und der grandiosen Aussicht auf die größte Ziegelbrücke der Welt waren auch Gisela Strömberg und ihre vogtländischen Gastgeber begeistert. Die Frau aus Nordschweden kam 1954 als Gisela Otto in Mylau auf die Welt, reiste mit ihrer Familie fünf Jahre später aus und fand in Skandinavien ihr Lebensglück. Die Krönung des gestrigen Ausflugsglücks ermöglichte die Vogtland-Bahn. Als Gerd Melchinger die Landung des Ballons einleitete, ratterte ein Triebwagen über die Göltzschtalbrücke. Das sorgte für eine leichte Schieflage der Gondel, denn alles schaute da in Richtung Greiz und knipste, was das Zeug hielt. "Fünf Euro pro Foto", warf der Pilot ein. Alles lachte.
Die Freude war auch beim Bodenpersonal groß. Manfred Dörjer lächelte nach dem nervenaufreibenden Genehmigungs-Marathon der vergangenen Wochen in sich hinein und sagte in Bezug auf das Zug-Glück der Premierenfahrer: "Extra für uns haben die Bahner doch ihren Streik beendet." Da schenkte der Betriebsleiter gerade mit seiner Frau Doris an der Kasse Sekt für die ersten Fahrgäste aus. Die drei Flaschen waren allerdings schnell geleert. Für die ersten gab's zudem einen Erinnerungs-Taler mit dem Motiv der Göltzschtalbrücke als Souvenir.
Ballon-Fahrt zum Mond
In etwa zwei Wochen, wenn am Ballon der Fahralltag Einzug gehalten hat, beginnt die nächste Etappe bei der Verschönerung des Standorts. Dafür sorgt die Netzschkauer Malerin Kerstin Körner. Sie gestaltet mit Pinsel und Farbe die jetzt eher nüchtern wirkende Blechbox der Ballonwinde. Auf dem Deckel mit dem Ballon, der von der Göltzschtalbrücke in den hell leuchtenden Mond zu fliegen scheint. An den Seiten mit historischen Ballon-Darstellungen, mit einer Burg und viel Fantasie.



10:03 Uhr
JKeitel: Cargolifter - gestartet mit dem beabsichtigten Bau von Zeppelinen, ging schief. Gelandet jetzt bei Luftballonns. Hoffentlich wird es nicht wieder nur eine Seifenblase.