Reichenbach: Drücker-König will Baum-Pate bleiben

Entfernung des Laga-Stifterschilds im Park der Generationen rückt in weite Ferne

Reichenbach. Das Stifterschild vor der Kaiserlinde im Park der Generationen wird wohl noch lange den Namen von Wolfgang G. tragen. Ist doch jetzt eine von den Bitex-Mitgliedern Egon Richter und Wolfgang Horlbeck ausgelöste Initiative, das Schild mit dem Namen des als Drückerkönig in Reichenbach bekannten Wolfgang G. zu entfernen, am Willen des wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt in der Werbebranche verurteilten und inhaftierten Baum-Paten gescheitert.

"Er will das nicht", informiert Egon Richter über das von Rechtsanwalt Thomas Höllrich Wolfgang G. vorgetragene Ansinnen. "Das war aber zu erwarten. Jetzt muss es halt anders gehen", kündigt Egon Richter einen weiteren Versuch an, den Namen von Wolfgang G. und damit "einen Makel im Park" zu beseitigen. "Wenn es so nicht geht, dann muss es eine Initiative über den Stadtrat geben. Ich gebe jedenfalls nicht auf", sagt das Mitglied der Bürgerinitiative zum Erhalt des Hochschulstandorts. "Schließlich hat dieser Mann doch gemacht, was er wollte, und alle haben sich darüber aufgeregt. Ich erinnere dabei nur an sein permanentes Falschparken. Diese Person ist eine Persona non grata."

Vertreter des Stadtrats bewerten die Lage jedoch anders. Jörg Schaller (FDP) etwa sieht in dem Vorstoß nicht das Thema von kommunalpolitischem Rang. "Ich finde das einfach affig. Und außerdem konnten wir doch nicht von jedem ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen. Und was ist, wenn einem anderen auch nur ein Fehler passiert ist, muss dessen Schild dann auch weg?", spielt der Stadtrat auf den Vorwurf an, die Stadt beziehungsweise die Laga-Gesellschaft hätten Wolfgang G. die Baum-Patenschaft verweigern müssen, da sein Vorstrafenregister seinerzeit bekannt war.

Da hätte man damals eine Regelung finden müssen, die alle potenziellen Paten einer Überprüfung unterworfen hätte, argumentiert auch Henry Ruß (Die Linke) gegen eine Diskussion des Themas im Stadtrat. "Und ich hätte dieser Regelung auch nicht zugestimmt", sagt der Linkspolitiker und macht die Gegenprobe: "Was wäre, wenn das Schild weg ist, er seine Strafe abgesessen hat und als Bürger mit allen Rechten auf seiner Patenschaft besteht? Wer sollte ihm das absprechen?" Im übrigen gebe es wichtigere Dinge, für die der Stadtrat Plattform sein sollte. "Ich denke da nur an die Hochschule."

Stadträtin Antje Teubert-Bauch (Gewerbeverein/Grüne) wusste bis kürzlich noch nichts über die Baum-Patenschaft: "Wo fangen wir da an, und wo hören wir auf? Denn genaugenommen müssten wir ja dann alle Paten überprüfen. Aber ich sehe uns da nicht als moralische Instanz, dann zu entscheiden, wer darf und wer nicht." Sie plädiert wie Henry Ruß dafür, die Sache auf sich beruhen zu lassen und so Wolfgang G. keine Gelegenheit zu einem belustigten Rückblick zu geben.

 
erschienen am 25.05.2012 ( Von Gerd Möckel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 28.05.2012
    10:59 Uhr

    crashy9708: So haut man das Geld auch zum Fenster raus!

    Na, dann überprüft mal alle "Paten" und ihr werdet feststellen, dass so mancher "Pate" an irgend einer Stelle "Dreck am Stecken" haben könnte - egal ob er nun strafrechtlich dafür verantwortlich ist oder auch nicht.

    Jeder hat schon irgendwann einmal den Staat oder seine Nachbarn oder Freunde "beschissen" und wenn er als Kind nur mal einen Lutscher geklaut hat.

    Apropos "Falschparker":
    Wenn wir die alle "einlochen" würden, dann wäre mehr als Halb-Deutschland ohne "Paten".

    Aber vielleicht holen wir denn die "Paten" aus Italien zu uns - da können selbst unsere "Spitzbuben noch etwas lernen und Deutschland sucht doch momentan "qualifiziertes" Personal aus der EU, oder?

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