Gerhard Bergner (links) mit einem Blatt aus seiner Chronik der Likör- und Spirituosenfabrik Zill & Engler. Firmeninhaber Thomas Lauer überreichte dem passionierten Sammler am Donnerstag 14 neue Mini-Schnapsflaschen.
Foto: Franko Martin
Reichenbach: Sammelleidenschaft hält jung
84-Jähriger aus Hamburg hat mehr als 32.800 Mini-Schnapsflaschen gesammelt
Reichenbach. Am Anfang stand ein schmerzlicher Verlust: Als Einbrecher 1991 neben Bargeld und Wertsachen auch seine Münzsammlung gestohlen hatten, saß Gerhard Bergner fassungslos im Keller seines Hauses in Hamburg-Poppenbüttel. Doch schon bald war die neue Idee geboren: Er begann, Mini-Schnapsflaschen zu sammeln.
"Ich bin Sternzeichen Krebs. Da ist mir das Sammeln in die Wiege gelegt worden", sagt der 84-Jährige, der in Ronneburg in Thüringen aufwuchs. "Schon als Kind habe ich Steine gesammelt, da waren die Hosentaschen oft durchgescheuert", erzählt er. Sogar ein Stück vom norwegischen Marmor für das Uno-Gebäude in New York nennt er sein Eigen.
Seine Sammlung der Miniatur-Schnapsflaschen gilt mittlerweile als die wohl größte weltweit. 32.850 Flaschen hat er zusammengetragen. "Schnapsfritze" nennen ihn seine Freunde. Die Medien gaben sich die Klinke in die Hand. Dreimal schaffte er es in die MDR-Sendung "Außenseiter - Spitzenreiter". "Bis nachts um drei hat die Crew bei mir im Keller gefeiert", sagt er. "Vor lauter Flaschen wird der Platz langsam knapp. Aber das Sammeln macht Spaß. Und das Reisen hält jung. Ich lerne Land und Leute kennen", erklärt Gerhard Bergner. "Auf 119 Besuchsreisen habe ich 2206-mal Firmen besucht und von dort direkt 22.837 Flaschen mitgebracht. Dabei bin ich 277.592 Kilometer gefahren", listet er akribisch auf. Da kommt der einstige Post-beamte durch. Auf vielen Reisen hat ihn seine Frau begleitet. Doch auch jetzt, nachdem sie verstorben ist, ist er weiter auf Achse.
Am Donnerstagvormittag besuchte der Hamburger die Likör- und Spirituosenfabrik Zill & Engler in Reichenbach. Es war sein 21. Besuch. 224 Miniflaschen hat er hier schon für seine Sammlung bekommen. Firmeninhaber Thomas Lauer steuerte am Donnerstag 14 neue Flaschen bei, darunter Ballontropfen von der Göltzschtalbrücke und Baudenschluck vom Kuhberg. Bergner war so angetan, dass er Lauer spontan umarmte und einen Kuss auf die Wange gab.
Die beiden sind Freunde. "1994 haben wir das erste Mal telefoniert. Am 9. Juni 1995 folgte das erste Treffen", berichtet der Gast. "Da sprang sofort der Funke über. So viel Herzlichkeit erfährt man nicht oft. Wenn Gerhard heute zu Besuch kommt, ist das wie ein Familientreffen", sagt Thomas Lauer. Gern denkt der Firmenchef an den Gegenbesuch in Hamburg zurück, bei dem sich Gerhard Bergner als Spitzen-Stadtführer erwies. Riesig gefreut hat sich Lauer, als er eine Kopie der umfangreichen Firmen-Chronik geschenkt bekam, die Gerhard Bergner über Zill & Engler angefertigt hat. "Das Leben besteht aus Geben und Nehmen", zitiert der Sammler dazu einen seiner Grundsätze.
Reisequartier bezogen hat der Hamburger übrigens unweit seiner alten Heimat in Schmölln. Bevor es weiter nach Bayern geht, lässt er sich Quarkkeulchen ebenso schmecken wie Thüringer Klöße.
Uns was trinkt ein Schnapsflaschensammler, wenn es mal etwas Hochprozentiges sein darf? "Tee mit Rum und dunklem Kandiszucker oder einen guten Weinbrand", verrät er. Der Inhalt der Minifläschchen aber ist tabu.

