Alltag auf der Zwickauer Straße. Erst bei Höhepunkten wie der 800-Jahr-Feier ist die Fußgängermeile wieder proppenvoll.
Foto: Franko Martin
Reichenbach liegt bald hinter Auerbach
Bevölkerungsrückgang schreitet in Göltzschtalstadt langsamer voran als in Neuberinstadt
Reichenbach. Der Kern der Zahlen sagt aus: Reichenbach als die noch zweitgrößte Stadt im Vogtland schrumpft schneller als Auerbach. Laut Statistischem Landesamt hatte die Neuberinstadt Ende September noch 19.900 Einwohner, Auerbach lag mit 19.861 Einwohnern nur knapp unter dieser Marke. Für Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) keine Statusfrage. "Mich interessiert der reine Fakt weniger. Was allerdings an diesem Vergleich interessant ist, verbirgt sich in der Geburten- und Sterbestatistik", sagte der OB am Dienstag.
OB lässt Altersstruktur ermitteln
Demnach hatte Auerbach zwar im vergangenen Jahr mit 51 Geburten nur halb so viel wie Reichenbach. Die Göltzschtalstadt registrierte jedoch 139 Sterbefälle, während es in Reichenbach 312 waren, 30 mehr als 2010. "Diese Alterspyramiden geben uns wichtige Hinweise zur Schwerpunktsetzung in den nächsten Jahren", sagte Kießling. Um für Reichenbach verlässliche Auskünfte zur Altersstruktur zu bekommen, will der OB jetzt eine diesbezügliche Statistik erstellen lassen. "Diese kann für die nächste Jahre sehr wichtig im Hinblick auf die Stadtentwicklung sein. Ich denke da nur an Wohnen, an Einzelhandel, an Schulen und Kindergärten", sagte der OB. "Nicht, dass wir eine Entwicklung bekommen, bei der in acht oder zehn Jahren das geschlossen werden muss, was jetzt gerade mit viel Aufwand modernisiert oder gebaut worden ist."
Doch nicht nur die demografische Entwicklung bereitet der noch größeren der beiden Großen Kreisstädte Sorgen. Wenn ab 2019 kein Geld mehr aus dem Solidarpakt fließt, muss die Stadt gegenfinanzieren. "Wir müssen dann völlig auf eigenen Füßen stehen." Der OB bezifferte am Dienstag das Finanzloch nach dem Ende des Pakts auf mehr als zwei Millionen Euro und riss damit auch eine Hoffnung machende Entwicklung an. "Wir denken, dass wir das aufgrund einer positiven Entwicklung auch in den Gewerbegebieten in Form steigender Gewerbesteuern abfedern können. Da haben wir ein Pfund geschaffen, mit dem wir wuchern können."
Auch auf dem Wirtschaftssektor soll die Entwicklung in Kürze statistisch abgebildet werden. "Wir ermitteln gegenwärtig, wie viele Arbeitsplätze auch durch die jüngsten Erweiterungen neu entstanden sind." Diesem Trend und den sogenannten weichen Standortfaktoren misst der OB entscheidenden Anteil an der gesamtstädtischen Entwicklung bei. "Und da sind wir auch bei Schulen, Kindergärten, mit Freibad und Spielplätzen oder mit dem Park der Generationen gut aufgestellt."
Kreistag eine Nummer kleiner?
Der Reichenbacher OB warnte am Dienstag überdies vor einem "Kirchturmdenken". Kießling: "Mit Auerbach klappt die Zusammenarbeit auf vielen Ebenen sehr gut." Das müsse im gesamten Vogtland ebenfalls in Bezug auf die demografische Entwicklung Anspruch sein. Auch im Hinblick auf die Repräsentanz in den Gremien. Mit den Kommunalwahlen 2014 schrumpft der Reichenbacher Stadtrat von 26 auf 22 Sitze. "So etwas kann ich mir auch für den Kreistag vorstellen. Wozu brauchen wir denn dort 86 Leute?" Entscheidend sei die fachliche Qualität des Einzelnen und die Vertretung der Regionen. "Dann kann ich auch mit 25 Leuten weniger leben", sagte Dieter Kießling.


