Reichenbach wirbt um Knast-Neubau
Kommune will sächsisch-thüringische Justizvollzugsanstalt haben - Ansiedlung könnte Arbeitsplätze bringen
Reichenbach. Reichenbach hat sich um den Bau einer geplanten gemeinsamen Justizvollzugsanstalt der Freistaaten Sachsen und Thüringen beworben. Die Stadt hat bereits im März den Antrag bei beiden Justizministerien eingereicht. In einem Antwortschreiben aus Dresden sei der Eingang der Bewerbung bestätigt worden, erklärt Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) auf Anfrage. Er habe aus der "Freien Presse" vom geplanten Neubau erfahren. Da noch keine konkreten Anforderungen vorliegen, habe die Stadt erst einmal mit einer allgemeinen Bewerbung reagiert.
Dabei will Reichenbach mit der Grenznähe zu Thüringen punkten. Die Grenze verläuft gleich hinter dem Ortsteil Friesen. "Wir sind verkehrsmäßig gut erschlossen. Eine weitere Verbesserung wird es mit der Westtrasse und dem Anschluss an die Autobahn A4 geben", so der OB. Außerdem habe die Stadt Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Land Thüringen, einerseits durch das Regionale Entwicklungskonzept, das die Städte von Reichenbach bis Greiz einschließt, andererseits auch durch die Vogtland Philharmonie, deren Existenz auf einem Staatsvertrag mit Thüringen beruht.
Keine Aussagen zum Standort
Bezüglich eines möglichen Standortes will Kießling keine konkreteren Angaben machen. Das hänge von der Größe und den Anforderungen ab. Er sehe aber mehrere realistische Möglichkeiten.
In dem Antwortschreiben vom Freistaat wurde bestätigt, dass tatsächlich "Bedarf bei der Unterbringung männlicher Gefangener" bestehe. Allerdings sei der finanzielle Aufwand für den Neubau sehr groß. Zuerst müsste deshalb die Frage der Finanzierung geklärt werden, bevor es an die Standortsuche geht. Dafür sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden.
Die Stadtverwaltung verspricht sich vom Bau und Betrieb einer JVA wirtschaftliche Vorteile. "Es werden sich Arbeitskräfte in der Region ansiedeln, denn so eine JVA ist ein großer Arbeitgeber", meint der OB. Ein gutes Beispiel sei das Autobahnrevier. Die Beamten würden oft in der Stadt gesehen und seien auch bei Problemfällen schnell vor Ort. Durch die Präsenz der Beamten sei das Sicherheitsgefühl in Reichenbach gewachsen, meint der OB. Dass es ähnlich wie in anderen Gegenden Deutschlands Bürgerinitiativen oder Ähnliches gegen den Bau einer JVA geben könnte, kann sich Kießling nicht vorstellen. "Die Sicherheitsstandards sind bei Neubauten sehr hoch", ist er sich sicher.
Vor kurzem hatte der Leiter der JVA Dresden, Ulrich Schwarzer, gegenüber Schöffen des Auerbacher Amtsgerichtes geäußert, dass es seit der Inbetriebnahme im Jahr 2000 in Dresden keinen ernsthaften Ausbruchsversuch gegeben habe. Es käme auch äußerst selten vor, dass Freigänger nicht zurückkehrten. Sein Motto lautet: "Im Auge des Orkans ist man sicherer als außerhalb".
Interesse ist riesig
In Sachsen gibt es elf JVA und eine Jugendstrafanstalt. Der größte Neubau befindet sich in Dresden. Die Grenze zwischen den Freistaaten verläuft von der Gegend um Gefell/Misslareuth bis in den Altenburger Raum. Das Interesse am Bau der JVA scheint riesig zu sein. Neben Plauen und Zwickau haben sich auch etliche Kommunen aus Thüringen beworben.


