Hier dreht sich kein Rad mehr: Ende 2010 stellte der Gea-Konzern die Produktion in der Gea Nema Wärmetauscher GmbH Netzschkau ein. Eine Transfergesellschaft hilft den Mitarbeitern, neue Arbeit zu finden.
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Sprungbrett für den Neuanfang
Aus für Gea Nema Wärmetauscher GmbH - 101 Mitarbeiter in Transfergesellschaft untergekommen
Netzschkau. Die von der Projekt- und Trainingsgesellschaft (PTG) Augsburg geführte Transfergesellschaft erweist sich für viele ehemalige Mitarbeiter der Gea Nema Wärmetauscher GmbH Netzschkau als Sprungbrett in das neue Arbeitsleben. Dieses Fazit zog Stefan Kademann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, nach der Beiratssitzung am Mittwoch im ehemaligen Netzschkauer Jugendclub
Bis 2010 arbeiteten bei der Nema 170 Menschen, es wurden schwarze Zahlen geschrieben, die Auftragsbücher waren voll. Völlig überraschend verkündete der Mutterkonzern Gea im März das Aus für den Produktionsstandort. Man müsse europaweit Überkapazitäten abbauen und die Zahl der Produktionsstandorte verringern, hieß es. Alle Proteste nutzten nichts. Übrig blieb der Bereich Entwicklung und Verkauf mit 30 Beschäftigten. Die Lehrlinge kamen in anderen Firmen unter. 101 Beschäftigte aus der Produktion wechselten in drei Stufen vom 1. Oktober bis zum Jahresende in die Transfergesellschaft. Am 8. November 2010 verließ der letzte in der Gea Nema Netzschkau hergestellte Wärmetauscher das Werk.
Qualifizierung ist das A und O
"Die Schließung der Produktion konnten wir nicht verhindern. Aber eine rückwirkende Lohnerhöhung, eine Abfindung für die Kollegen und die Transfergesellschaft haben wir durchgesetzt. Diese Qualifizierungsgesellschaft ist der wichtigste Punkt", schätzt der letzte Nema-Betriebsratschef Lutz Rittrich ein. Der 49-jährige einstige Schichtleiter und Schweißer absolviert dort selbst eine Qualifizierungsmaßnahme.
"Die Mitarbeiter erhalten ein Jahr Transferkurzarbeitergeld und gelten nicht als arbeitslos. Außerdem wird der ehemalige Arbeitgeber zur Kasse gebeten", erläutert Stefan Kademann. Bernd Nickolay, Geschäftsführer der PTG Augsburg, deren Tochtergesellschaft ABS Wetexbau die Arbeit vor Ort in Netzschkau leistet, fügt hinzu: "Unsere Aufgabe ist es, die Menschen wieder in den 1. Arbeitsmarkt zu vermitteln. Wir unterstützen sie bei der Qualifizierung und leisten intensive Vermittlungsarbeit." Die 101 ehemaligen Nema-Werker haben 326 Qualifizierungen absolviert, jeder im Schnitt drei, vorwiegend in den Bereichen Schweißen, CNC und Qualitätsmanagement. Bis zum Jahresende läuft die Betreuung.
"Wir werden eine Vermittlungsquote von 70 Prozent in den 1. Arbeitsmarkt schaffen", gibt sich IG-Metall-Bevollmächtigter Kademann optimistisch. Neue Arbeit fanden ehemalige Nema-Werker beispielsweise bei Neoplan, Mahle Behr, Goldbeckbau oder Lehmann Maschinenbau. "Das sind zum Gros reguläre Arbeitsplätze. Zeitarbeit bildet die Ausnahme, so bei Autovision Zwickau, die für VW arbeiten und ordentliches Geld zahlen", sagt Kademann. PTG-Projektleiter Tacettin Kecici ergänzt: "In den Dumpingbereich gehen wir bei der Vermittlung sowieso nicht rein."
Ironie des Schicksals
Manager Michael Junker, der am 24. März 2010 in Netzschkau das Aus für die Nema-Produktion verkündet hatte, gibt es, wie Stefan Kademann erklärt, heute nicht mehr bei Gea. Und das Projekt zur Restrukturierung des Konzerns sei "nach der ersten Stufe abgeblasen" worden, weil es nicht funktionierte. Ironie des Schicksals: Da war die Nema mit ihrer 121-jährigen Tradition schon abgewickelt. Kademann schätzt, dass die Schließung des Standorts den Konzern mit Sozialplan und Transfergesellschaft rund sieben Millionen Euro gekostet hat.


