Hans-Werner Schmiedl trat als Domina auf und Tobias Hopfer als Sexsklave.
Foto: JB Steps
St.-Pauli-Flair mitten in Reichenbach
Stadt feiert 51. Tennisfasching
Der 51. Reichenbacher Tennisfasching (Tefa) hat am Samstag die 1330 Gästen im ausverkauften Neuberinhaus mitgerissen. Schon beim Warm up durch die Schalmeienkapelle war kaum noch ein guter Stehplatz zu bekommen. Erst nach dem Programm lockerte sich das Platzangebot ein wenig, denn die Narren und Närrinnen konnten sich auf das ganze Neuberinhaus verteilen. Party in allen Räumen war angesagt.
Der Vogtländische Tennisclub 1892 (VTC) lud ein unter dem Motto "Reeperbahn-Tour 2012 - Eine Nacht in St. Pauli". Das Publikum nahm diese Einladung gern an und bediente mit den Kostümen sämtliche Klischees, die man vom Hamburger Nachtleben haben kann. Kleidung und Accessoires aus dem Erotikversand, Matrosenuniformen in allen Variationen, stilvolle Rote Laternen oder mit Gummiknüppel bewaffnete Polizisten wurden durch Kostüme von Rockern, Punks, Priestern oder Avataren ergänzt. Selbst der Kapitän der Costa Concordia wurde im Neuberinhaus gesichtet.
Auf der Bühne zelebrierten die Mitglieder von Enigmatic Greiz gemeinsam mit den Tefa-Darstellern Straßenszenen von der Herbertstraße und das Geschehen in der Hafenbar. Olivia Jones (Hans-Werner Schmiedl) vom Reeperbahn-Kiez fuhr mit dem Motorrad ein. Multitalent Schmiedl trat im Laufe des Abends auch als Domina mit einem Sexsklaven auf.
Als ebenso verwandlungsfähig erwies sich Steffen Forbrig, der zwischen unterschiedlichen Figuren wie Peter Lustig und Udo Lindenberg wechselte. Ein Polizisten-Sketch spielte vor der David-Wache. Die Adorfer Garde imitierte das Hamburger Musical-Theater mit "König der Löwen". Für Stimmung sorgten die "Nutten"- und Matrosinnen-Darstellerinnen und die Seemänner ebenso wie die FC-Sankt-Pauli-Fans oder das Männerballett. In der Playback-Show traten außer Lindenberg die Beatles sowie Klaus & Klaus auf. André Schäfer musste den Titel "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins" sogar noch einmal wiederholen.
Jörg Schaller stieg diesmal in die Rolle von Altbundeskanzler Helmut Schmidt und betrieb seine ganz persönliche Zeitungsschau. "Eigentlich war mein Kommen so gar nicht gedacht, doch leider hat sich Joopi Heesters ganz unerwartet aus dem Staub gemacht", erklärte er im Rollstuhl sitzend und in Schmidt-Manier permanent paffend.
"Das war wieder ein geiles Programm. Heute haben wir das nicht als Gäste im Saal, sondern mit auf der Bühne erlebt", erklärte Andrea Pfeifer von der Band "Anna and the Rocks". Die Musiker hatten beim Tennisfasching erstmals für die Musik im großen Saal gesorgt.
Schon zum zweiten Mal war André Handler aus Halle extra wegen des Faschings nach Reichenbach gekommen. "Unsere Bekannten haben immer vom Tennisfasching geschwärmt - völlig zu recht", meinte der Hallenser.
Aus der Büttenrede
Immerhin wird Reichenbach 800 Jahre alt. Diese Party im Sommer lässt sicherlich keinen kalt. Reichenbach, die größte Metropole zwischen Obermylau und Heinsdorfergrund, Reichenbach, finanziell und geistig - meistens - gesund.
Unser Landtagsabgeordneter, ein Kämpfer vor dem Herrn. Er steht aufrecht für die Interessen seiner Stadt, Parteidisziplin ist ihm fern. Lauter als er hat keiner für den Erhalt der Fachhochschule gebrüllt! Deutlicher als er hat keiner den Willen seiner Wähler erfüllt. Er kämpft gegen Unrecht, setzt sich für uns ein. Im sächsischen Landtag - da kennt ihn kein Schwein.
Die Sozialdemokraten haben auch keine Sorgen, die zeigen im Stadtrat schon die Zukunft von morgen. Nur Rentner sitzen dort und bestimmen für die Stadt, wie sich die Jugend die Zukunft vorzustellen hat.
Reichenbach ist der ideale Studienort. Wer einmal hier war, will nie wieder fort. Hier kannst du über deinen Büchern bleiben, kannst wahres Studium betreiben, dich stört unter Garantie kein Kneipenbummel, kein Hallenbad, kein Disko-Rummel, kein Kino wird die Zeit dir stehlen, die Shopping-Zeit wird dir nicht fehlen. Auch die käufliche Liebe lockt dich nur sehr bedingt, seit Herr G. seine Zeit im Knast verbringt.
Was das harte Leben bedeutet, lernen die Kinder von Anfang an ganz genau in der Kuschel-Schule "Futurum" in Mylau ... Ja Leute, habt ihr's immer noch nicht gerafft: Albert Einstein hat's mit 'ner Fünf in Mathe zum Nobelpreis geschafft. Auch unser Bundespräsident Christian Wulff ist mal sitzen geblieben. Immerhin hat er seine Doktorarbeit nicht abgeschrieben. Wäre Wulff in Mylau auf dem Futurum gewesen, hätte er seine Kreditverträge sicher vorher gelesen. ... Und so wird aus der Kuschel-Muschel-Streichel-Bildung auf längere Sicht wahrscheinlich 'ne ganz normale Schule, nur ne ordentliche Rechtsaufsicht haben die nicht.
OB Kießling gab vorletzte Woche bekannt: In Reichenbach stirbt sich's schneller als im Oberland. Na prima! Die Jugend geht weg, die Alten sterben aus. Vielleicht sitz' ich nächstes Jahr alleine hier im Neuberinhaus?!


