Mit diesem Geschwindigkeitsmessgerät blitzt die Stadt Reichenbach seit September 2010 in eigener Regie.
Foto: Franko Martin
Stadt Reichenbach erblitzt knapp 55.000 Euro
An 31 Tagen hat das Ordnungsamt 2011 Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt
Reichenbach. 2011 war das erste komplette Jahr, in dem Mitarbeiter des Reichenbacher Ordnungsamtes selbst Geschwindigkeitsmessungen auf den Straßen vorgenommen haben. Geblitzt wurde, so geht aus der jetzt vorgelegten Statistik hervor, an 31 Tagen. Bei den 74 Messungen wurden 2324 Fahrzeuge als zu schnell registriert. "2152 Verwarngelder und 136 Bußgelder im Gesamtumfang von 54.930 Euro wurden verhängt. 13-mal wurde ein einmonatiges und dreimal ein zweimonatiges Fahrverbot ausgesprochen", bilanziert Anja Dehmel von der Bußgeldstelle.
"Durch unsere Messungen hat sich die Zahl der Verstöße nicht verringert. Aber die Anzahl der krassen Geschwindigkeitsübertretungen ist merklich zurückgegangen. Damit ist ein wesentliches Ziel erreicht", sagt Fachbereichsleiter Wolfgang Eckstein. Der Spitzenreiter war bei erlaubten 100 mit 176 km/h auf der Ortsumgehungsstraße unterwegs.
Die Resonanz in der Bevölkerung sei überwiegend positiv, schätzt die Stadtverwaltung ein. Dazu trage bei, dass die Auswahl von Messstellen und Messintervallen sehr bewusst erfolge. Zudem beginne man mit der Messung erst 10 km/h über dem jeweils zulässigen Höchsttempo.
41 Messstellen sind in Reichenbach und Heinsdorfergrund aufgelistet. 13 davon wurden 2011 nicht bedient. An zwei Messstellen wurde dagegen sechsmal geblitzt, an je vier Messstellen fünf- und viermal. Die Auswahl erfolgte nach Schwerpunkten. "Wir orientieren uns an Erfahrungswerten, an Verkehrszählungen sowie an der Unfallstatistik des Landratsamtes. Wir reagieren auf Hinweise von Bürgern und messen auch vorbeugend", so Eckstein. Die Stadtverwaltung sei weiter offen für Hinweise. "Wenn Bürger sagen, da ist ein Schwerpunkt, hier sollte mal geblitzt werden, dann sollten sie uns das mitteilen. Wir stellen gern mal unseren Blitzer hin", erklärt OB Dieter Kießling (CDU). Und er fügt hinzu: "Es geht uns um die Sicherheit auf den Straßen, nicht um Abzocke. Wenn es nur ums Geld ginge, müssten wir ständig auf der Umgehungsstraße blitzen."
Wo es technisch möglich war, fand eine Verkehrszählung parallel zur Messung statt. Bei jeder Messung waren zwei Bedienstete dabei. Der federführende Messbedienstete wird übrigens bei Gerichtsverhandlungen als Zeuge geladen. Das war 2011 19-mal der Fall. 23 Verfahren sind noch bei Gericht anhängig, drei davon aus dem Jahr 2010.
Der zweite Messbedienstete sei nötig, um - und das sei ebenso vorgekommen - Behinderungen des Messablaufs, Manipulationen am Messgerät sowie verbale und tätliche Angriffe auf die Bediensteten zu unterbinden. Die Mietkosten für die Geschwindigkeitsmessanlage, für die Aufbereitung der Bilder und für Büromaterial beliefen sich 2011 auf 5901 Euro.

