Uta Lenke, Imke Schneider, Melanie Pruschik, Martha Heilmann, Constanze Halsema und Roswitha Wich (von links) bei der Arbeit am Triptychon "800 Jahre Reichenbach". Der Spaß an der Sache ist ihnen anzumerken. Das wird ein ganz besonderes Geschenk zum Stadtjubiläum.
Foto: Franko Martin
Textiles Kunstwerk zur 800-Jahr-Feier
Frauen vom Haus der Begegnung gestalten für Stadtjubiläum drei mal vier Meter großes Triptychon
Reichenbach . Ein Kunstwerk soll es werden. Das steht für Projektleiterin Roswitha Wich fest. Im April 2011 ging die langjährige Damenmaßschneiderin und Berufsschullehrerin mit interessierten Frauen daran, im Haus der Begegnung an der Zwickauer Straße das Mikroprojekt "800 Jahre Reichenbach - die Textilstadt" zu realisieren.
Das Projekt wurde über das Programm "Stärken vor Ort" gefördert. Im Ergebnis soll bis Mai dieses Jahres ein mit Applikationen versehenes textiles Triptychon entstehen, gut drei mal vier Meter groß, das an die Traditionen der Stadt erinnert.
"So etwas mit Laien zu verwirklichen, ist eine Herausforderung. Einige der Frauen waren länger arbeitslos", sagt Roswitha Wich. Sie machte sie mit der Nähmaschine vertraut und holte Constanze Halsema als kreative Mitstreiterin sowie Gisela Mertinat vom Institut für Textil- und Ledertechnik Reichenbach zur fachlichen Beratung mit ins Boot. Unterstützung gab außerdem die Häkelgruppe der DRK-Tagespflege Reichenbach, die Blüten, Schmetterlinge und Bommelbäume anfertigte.
Den Kern des Projektes bilden heute sechs Frauen von Mitte 20 bis Anfang 70. Sie treffen sich alle 14 Tage. "Bei uns ist es wie in einer Familie. Es gibt viel Spaß. Und mit der Zeit ist so viel Vertrauen gewachsen, dass man auch mal Sorgen miteinander bei einer Tasse Kaffee bespricht", verrät die Projektleiterin.
Das Triptychon besteht aus drei Rohnessel-Stoffbahnen. Mit Zickzackstich wurden schon die Buchstaben aufgebracht. Die Blüten werden mit der Hand aufgenäht. Hinzu kommt eine Reihe Applikationen mit markanten Gebäuden von Reichenbach: zum Beispiel Wasserturm, Textilfachschule oder Peter-Paul- und Trinitatiskirche. Ein Schütze mit Spule und eine Männelkette dürfen ebenso wenig fehlen wie das Sachsen- und das Stadtwappen. Letzteres hat Roswitha Wich selbst in vielen Stunden zu Hause angefertigt. Quilten heißt der Fachbegriff. "Die farbigen Stoffteile wurden mit Watte unterlegt und drübergesteppt. So wirkt das Ganze dreidimensional", erklärt sie. Das Rathaus soll jetzt noch als Applikation folgen, vielleicht auch das Neuberin-Museum. Constanze Halsema will die Katholische Kirche hinzufügen. Roswitha Wich, die lange im Volleyball, Tischtennis, Sprint und Kegeln aktiv war, gestaltet das Stadion am Wasserturm nach.
"Für das Zusammenfügen der Einzelteile kann ich noch die eine oder andere fleißige Hand brauchen. Das Alter spielt dabei keine Rolle", sagt die Projektleiterin.
Die beteiligten Frauen wünschen sich, dass ihr Kunstwerk zum Stadtjubiläum im Ratssaal aufgehängt wird. Raphael Kürzinger, Organisationsleiter für das Festjahr, sichert zu: "Das Triptychon wird auf alle Fälle an publikumswirksamer Stelle ausgestellt." Ob in der Stadtverwaltung, im Sparkassenfoyer oder anderswo, stehe aber noch nicht fest.
Service
Nächster Treff der Projektgruppe ist am Dienstag, 14. Februar, 15 Uhr, im Haus der Begegnung, Zwickauer Straße 93, in Reichenbach (1. Stock).


