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Einer der Standorte der Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft Netzschkau in der Walter-Rathenau-Straße.

Foto: Franko Martin Bild 1 / 2

Wohnbau Netzschkau: Aufbruch nach drohender Insolvenz

Mit einer neuen Geschäftsführerin geht es in die Zukunft. Der Verkauf des städtischen Unternehmens bleibt indes eine Option für den Bürgermeister.

Von Gerd Betka
erschienen am 02.03.2016

Netzschkau. Bei der Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft Netzschkau tut sich etwas. Das städtische Unternehmen hat mit Jaqueline Hartmann seit 1. Januar eine neue Geschäftsführerin, neue Geschäftsräume in Mylau und einen eigenen Auftritt im sozialen Netzwerk Facebook. Das klingt nach Aufbruch, nachdem man 2014 noch die Insolvenz vor Augen hatte.

"Seit Jahresende 2012 war die GmbH führungslos. Damals hatte Uwe Röhn seine Geschäftsführertätigkeit niedergelegt", erinnert Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein). Im Februar 2013 gewählt, erbte er die Probleme der Wohnbau Netzschkau von seinem Amtsvorgänger. "Das Minus wuchs, der Leerstand auch", blickt er zurück. Um juristisch handlungsfähig zu bleiben, übernahm Ina Schiller neben ihrer Arbeit als Stadtkämmerin die Geschäftsführung. Ohne Entgelt.

Mitte 2014, so geht aus dem Bericht zur örtlichen Prüfung des Jahresabschlusses 2014 hervor, "drohte der Gesellschaft die Zahlungsunfähigkeit". Die Gläubigerbanken forderten ein Gutachten, inwieweit die Wohnbau existenzfähig ist, sagt Purfürst. Das von der KMS Zwickau erarbeitete Konzept habe die Sanierungswürdigkeit der Wohnbau Netzschkau nachgewiesen. Mit einer Tilgungsaussetzung der Merkur-Bank für die Darlehen von Juni 2014 bis Juni 2015 habe der Insolvenztatbestand abgewendet werden können. Alle Darlehen wurden zu einem Kreditengagement mit einem variablen Zinssatz von drei Prozent zusammengeführt.

Stadt stärkt eigene Gesellschaft

Um das eigene Unternehmen zu stützen, beschloss der Stadtrat im April 2014 den Verzicht auf alle Darlehensforderungen (rund 103.810 Euro) und alle Erbpachtzinsen (rund 27.950 Euro), die bis Ende 2013 aufgelaufen waren. Ebenfalls eigenkapitalstärkend werde sich auswirken, dass die Stadt die Erbbaugrundstücke in die Wohnbau einbringt. "Es gibt einen Stadtratsbeschluss dazu. Wir sind damit jetzt beim Notar", erklärt Purfürst. Denn zum Großteil stehen die Häuser der Wohnbau auf Grund und Boden der Stadt. Es besteht ein Erbpachtvertrag aus dem Jahr 1939 für 99 Jahre. Für Aufatmen sorgte auch der Umstand, dass die Sparkasse für das für den Ratskeller aufgenommene Sanierungsdarlehen Forderungsverzicht erklärte und der Ratskeller im Juni 2015 an einen Privatmann verkauft werden konnte. Kredittilgung und Leerstand kosteten davor die Wohnbau jährlich 20.000 Euro.

35-Jährige führt nun Regie

"Die Bank will einen positiven Trend sehen. In Vergangenheit lief nicht alles optimal. Aber wir sind im Gespräch", sagt die neue Wohnbau-Geschäftsführerin Jaqueline Hartmann. Die 35-jährige Immobilienfachwirtin wuchs in Ostthüringen auf und lebt seit über 13 Jahren in Berlin, wo sie in mehreren Unternehmen tätig war und ist. Sie hat ein eigenes Maklerbüro. In Mylau ersteigerte sie das Haus Netzschkauer Straße 21 und ließ es ab 2012 sanieren. Nach und nach will sie ihren Lebensmittelpunkt hierher verlegen. Ein Fenster zur Straße hin zeigt Werbung für ihre Firma Hartmann Liegenschaften. Im Haus befindet sich auch das neue Büro der Wohnbau Netzschkau, Sprechzeiten: Montag bis Freitag, jeweils 9 bis 13 Uhr.

"Die Wohnbau hat knapp 110 Wohnungseinheiten. 77 sind vermietet und in einem vernünftigen Zustand. Der Rest, in meist unsaniertem Zustand, steht leer", schildert sie die Lage. Konzentriert sind die Wohnungen auf die Walter-Rathenau-/ Robert-Blum-Straße sowie auf die Gabelsberger-/Jahnstraße. Dass sich die Hausbank zu einer Zinsstundung bis 2019 bereit erklärt hat, verschafft Luft. Die Spielräume sollen für Sanierungen und den Abbau des Reparaturstaus genutzt werden. "Das reicht vom Dach bis zum Warmwasserspeicher", sagt sie.

Öffentlich ausgeschrieben wurde die Geschäftsführerstelle nicht, sagt Bürgermeister Purfürst. Es habe noch einen zweiten Vorschlag vonseiten der Bank gegeben. Doch die Stadt habe sich für Jaqueline Hartmann entschieden. "Ich bin froh, dass wir sie als Profi verpflichten konnten. Es braucht unternehmerischen Geist und neues Denken, um voranzukommen", findet er.

"Ich habe mich für Netzschkau entschieden, weil ich eine Perspektive sehe. Ich bin optimistisch, habe aber auch Respekt vor der Aufgabe", sagt die 35-Jährige. Sofern die Gespräche mit den Gläubigern gut laufen, will sie bis zum Herbst ein Konzept für die Wohnbau vorlegen. "Im Moment fahren wir nur auf Sicht", sagt sie. Aber bis 2019 soll die Wohnbau auf solideren Füßen stehen. Dazu gehöre, Mieter mit attraktivem Wohnen an sich zu binden.

Verkauf bislang gescheitert

2012 hatte der Netzschkauer Stadtrat dreimal den vom damaligen Bürgermeister Werner Müller (SPD) auf die Tagesordnung gesetzten Verkauf der Wohnbau abgelehnt. Doch auch unter Mike Purfürst liefen Verhandlungen zum Verkauf. Sie scheiterten bislang, "da die Merkur-Bank nicht zu einem Teilschuldenerlass bereit war", ist im Vorbericht zum Stadthaushalt 2016 nachzulesen.

"Der Verkauf ist durchaus eine Option. Eine Gesellschaft mit 110 Wohnungen ist einfach zu klein. Ich suche einen Investor, einen Fremdkapitalgeber", erklärt Purfürst. Zugleich sieht er sich in der politischen Verantwortung gegenüber den Bürgern und Mietern, "dass wir da nichts verhökern". Es werde "keine spekulativen Geschichten" geben.

 
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