Hinter dieser Hecke vorm Neuberin-Museum soll am Festwochenende die Jugend-Bühne stehen. Acht mal sechs Meter ist sie groß. Zu groß für den Johannisplatz, sagt die Stadt. Dafür blockiert die Bühne nunmehr den Eingang des Museums, das deshalb geschlossen bleibt.
Foto: Franko Martin
Reichenbach: Neuberin-Museum bleibt am Festwochenende geschlossen
Organisation und Planung rund um die Feierlichkeiten sorgen für Kontroversen
Reichenbach. Wer am Festwochenende vom 6. bis 8. Juli im Neuberin-Museum Reichenbach die Ausstellung "Hommage - 800 Jahre Stadt Reichenbach im Vogtland" mit Werken von Günter Weiß anschauen möchte, guckt in die Röhre. Auch die Sonderschau des Ersten Schützenverein Reichenbach im Obergeschoss und die Dauerausstellung können nicht besucht werden.
"Das Museum hat geschlossen. Am Samstag sind wir mit unserem Neuberin-Wagen beim Umzug zum Tag der Vogtländer dabei. Am Sonntag werden die Mitarbeiter am Infopunkt und im Festgelände eingesetzt", erklärt Museumsleiterin Marion Schulz. Die Umstände wollte sie jedoch nicht kommentieren.
Vergleich mit Bilderstürmerei
Wie "Freie Presse" erfuhr, kann das Museum nicht öffnen, weil just vor der Eingangstür die Jugend-Bühne aufgebaut wird, auf der sich von Freitag bis Sonntag Musik-, Show-, Tanz und Akrobatik-Gruppen ein Stelldichein geben. Die Bühne wird sich im Vorgarten zwischen Hecke und Haus befinden. Dazu muss auch die Metallskulptur "Geronten" entfernt werden, die Metallgestalter Gottfried Büttner 2011 anlässlich seines 75. Geburtstages seiner Geburtsstadt Reichenbach schenkte.
Der Künstler ist darüber nicht amüsiert. "Auf die Idee muss man erstmal kommen. Das erinnert mich an Bilderstürmerei", sagte er der "Freien Presse". Was ihn ärgert, ist vor allem eines: "Mit mir hat niemand geredet. Ich habe davon nur auf Umwegen erfahren." Inzwischen hat Büttner mit dem städtischen Organisationsleiter Raphael Kürzinger darüber geredet. Der habe ihm versichert, dass es alles nicht so schlimm werde. Dennoch macht Gottfried Büttner keinen Hehl draus, dass er die Bühne lieber auf dem Pflaster-Karree zwischen Jugendklub und Museum sähe. "So groß ist die Steigung dort doch gar nicht. Beim Elbhangfest in Dresden baben sie Bühnen sogar auf Steigungen von 30 Prozent", sagt er.
Johannisplatz zu klein
"Es war in der Tat geplant, die Bühne zwischen Jugendklub und Museum zu platzieren", erklärte Raphael Kürzinger auf Anfrage. "Doch dann haben wir die Sache ausgemessen und festgestellt, dass es nicht geht." Wenn man die sechs mal acht Meter große Bühne auf den Johannisplatz stellt, werde es zu eng. "Wir brauchen Platz für Zuschauer, Platz für Besucher, die zwischen Markt und Kirchplatz hin und her strömen, Platz für Bier- und Imbissstand. Und nicht zuletzt muss eine drei Meter breite Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge gewährleistet sein. Daher mussten wir uns entscheiden, die Bühne in den Vorgarten des Museums zu stellen.", argumentiert Kürzinger.
Weil inzwischen Gerüchte ins Kraut schießen, betont der Organisationschef: "Die Hecke bleibt wie sie ist. Sie wird nicht abgeschnitten, sondern dient quasi als natürliche Bühnenrampe." Auch die große Edelstahltafel des Museums bleibt stehen. Lediglich die höhere Hinweistafel rechts vom Zugang werde entfernt, ebenso wie die Metallskulptur im linken Teil des Vorgartens. "Aber das ist keine Bilderstürmerei. Nach dem Bühnenabbau stellen wir sie ja wieder hin", versucht er, die Gemüter zu beruhigen.
Bei der Festlegung, dass das Neuberin-Museum am Festwochenende geschlossen bleibt, verweist Kürzinger auf Erfahrungen vom Tag der Sachsen 2007: "Da war das Museum auf, aber es hat sich trotz Regenwetter keiner dahin verlaufen."

