Staumeister Jürgen Görner überwacht in Falkenstein nicht nur die Talsperre, sondern auch die Schneehöhe im Einzugsgebiet des Stausees.
Foto: Joachim Thoss
Wasserexperten im oberen Vogtland bereiten sich auf Tauwetter vor
In der Region heißt es noch Ski und Rodel gut
Falkenstein/Plauen. Im Vogtland liegen etliche Millionen Kubikmeter Wasser, derzeit noch gespeichert in Schnee und Eis. Die Landestalsperrenverwaltung hat in mehreren Talsperren der Region den Wasserpegel absenken lassen. Dadurch wollen die Verantwortlichen das Schmelzwasser auffangen, das sie in den nächsten Wochen erwarten.
Beispiel Falkenstein: Dort ist der Hochwasserstauraum von sonst rund 250.000 Kubikmeter auf jetzt 500.000 Kubikmeter verdoppelt worden. Im Einzugsgebiet des Stausees sind derzeit etwa 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser in Form von Schnee und Eis gespeichert.
Berechnet wird diese Wassermenge täglich auf Grundlage von Daten, die die Staumeister und deren Mitarbeiter an den Talsperren sammeln. Sie messen die Schneehöhe und ermitteln die Beschaffenheit der weißen Pracht. "Die Daten gehen an unser Fachreferat Wasserbewirtschaftung in Pirna", sagt Anja Lorenz. Sie ist für die Stauanlagen im Vogtland zuständig. In der Zentrale der Landestalsperrenverwaltung wird je nach Beschaffenheit des Schnees berechnet, wie viel Wasser in ihm steckt. Allerdings kommt nach den Erfahrungen der Fachleute immer nur ein Teil in den Wasserspeichern an. "Schmilzt der Schnee bei Sonnenschein, verdunstet viel Wasser. Außerdem versickert Wasser", sagt Anja Lorenz. Schlimm werde es nur, wenn es zu regnen beginnt. Dann kommt das Regenwasser zur im Schnee gespeicherten Menge noch dazu. Aufgrund des Schneevolumens hat die Talsperrenverwaltung im Vogtland derzeit vor allem Wasser in den Talsperren Falkenstein und Pirk sowie in geringerem Maße in Muldenberg abgelassen.
Wichtig ist nach den Worten der Betriebsteilleiterin, dass man die Talsperren vorausschauend bewirtschaftet. Als Beispiel nennt sie die Talsperre Pirk, die im Vogtland das größte Einzugsgebiet besitzt. "Wenn möglich, soll in den Talsperren der Hochwasserscheitel abgefangen werden." Eine wichtige Rolle spielt beim Bewirtschaften, ob es sich beim jeweiligen Stausee um eine Brauch- oder Trinkwassertalsperre handelt. "Bei Trinkwassertalsperren muss man die Wassergüte und die Versorgungssicherheit beachten."
Anfang des Jahres war es unter anderem im Raum Morgenröthe-Rautenkranz nach Dauerregen zu einem Hochwasser gekommen. Ursache dafür war nach den Worten von Anja Lorenz "das viele Wasser, das die Pyra geführt hat". Aus der Talsperre Muldenberg sei kein Wasser zusätzlich abgelassen worden.
Die vogtländische Talsperre mit dem größten Einzugsgebiet ist die von Pirk. Im Schnee sind 22 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert. Deshalb wurde der Hochwasserschutzraum des Stausees in den vergangenen Wochen schrittweise von normalerweise 800.000 Kubikmetern auf 6,5 Millionen Kubikmeter vergrößert.
Keine besonderen Maßnahmen waren beispielsweise an der Talsperre Pöhl notwendig. Dort beträgt der natürliche Hochwasserschutzraum neun Millionen Kubikmeter. Genau so viel Schnee ist nach den Berechnungen der Pirnaer Experten im Einzugsgebiet des Stausees gespeichert.
Im Einzugsgebiet der Talsperre Muldenberg sind etwa 1,9 Millionen Kubikmeter Wasser gespeichert. Da es sich bei der Talsperre um einen Trinkwasserspeicher handelt, wurde der Wasserstand nur geringfügig abgesenkt. (lh)

