Aus für den Apfel: Von der einstigen Obstplantage auf dem Windberg zeugen nur noch ein paar Reste abgeholzter Bäume.  
Aus für den Apfel: Von der einstigen Obstplantage auf dem Windberg zeugen nur noch ein paar Reste abgeholzter Bäume.

Foto: Andreas Wohland

Abgegessen: Marienthaler Apfel weicht Raps und Getreide

Der Marienthaler Apfel aus Zwickau ist Geschichte - Aber die Geschichte ist trotzdem noch nicht ganz zu Ende erzählt

Zwickau. Die Obst- und Gemüseproduktion Marienthal hat den Apfel aussortiert. Nachdem 2004 schon einmal 30 Hektar Obstanbaufläche gerodet wurden, sind jetzt die restlichen Bestände verschwunden. Die Entscheidung hat allein betriebswirtschaftliche Gründe, sagt Geschäftsführer Daniel Menges (52). In den sächsischen Obstanbaugebieten rings um Dresden oder Grimma liegen die Erträge bei 45 bis 60 Tonnen pro Hektar. Wir waren froh, wenn wir in Marienthal 10 bis 20 Tonnen pro Hektar ernten konnten", sagt Menges. Die Böden und das Klima in Zwickau sind für den Obstanbau schlichtweg ungeeignet. Die andauernd niedrigen Erträge konnten die Obstbauern nur teilweise mit der Direktvermarktung ausgleichen. "Wir sind den schlechten Erträgen immer nur hinterher gefahren", so Menges. Im vergangenen Herbst haben die vier Einzelgesellschafter der Obst- und Gemüseproduktion Marienthal schließlich die Notbremse gezogen. "Die einzige Frage, die wir uns stellen müssen, ist die, ob wir nicht hätten eher reagieren sollen", sagt Daniel Menges.

Auf den aktuell 245 Hektar Fläche, die das Agrarunternehmen bewirtschaftet, werden künftig Getreide, Raps oder Mais angebaut. "Wir werden versuchen, unsere Anbauflächen auszudehnen", sagt Menges. Lediglich in Crimmitschau soll eine kleine Fläche für den Anbau von Beerenfrüchten übrig bleiben. Bleiben werden auch die beiden Hofläden an der Äußeren Dresdner Straße und an der Werdauer Straße, die von Karen Menges (50) geführt werden. "Wir verkaufen weiterhin Obst und Gemüse von regionalen Anbietern. Die Äpfel kommen derzeit zum Beispiel vom Obstgut Seelitz", sagt sie.

Die Kunden reagierten auf das Aus für den Marienthaler Apfel enttäuscht oder verärgert. "Aber viele haben auch die Gründe für diese Entscheidung verstanden", sagt Karen Menges. Dazu kommt noch, dass es in der jüngsten Vergangenheit zunehmend schwerer wurde, geeignetes Personal zu finden. "Denn reich wird man mit dieser Arbeit nicht", sagt Daniel Menges. Und: "In einer von Industrie geprägten Region wie Zwickau wird der fehlende Nachwuchs für die Landwirtschaft zunehmend zu einem existenziellen Problem", sagt der Unternehmer.

 
erschienen am 10.09.2012 ( Von Matthias Behrend )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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