Schule Aufmerksamkeit war bei den Gymnasiasten gefragt, denn Kirsten Teschauer, Mitarbeiterin im Leipziger Konsulat der USA, berichtete über ihre Heimat ausschließlich auf Englisch.

Foto: Andreas Wohland

Amerikanerin räumt mit Vorurteilen auf

Mitarbeiterin des US-amerikanischen Generalkonsulates sprach mit Schülern über das Verhältnis von Deutschen und Amerikanern

Crimmitschau. Was ist in den Augen der US-Amerikaner typisch deutsch, was sehen Deutsche als typisch amerikanisch an? Hilfe bei der Beantwortung dieser kniffligen Fragen versuchte am Mittwoch Kirsten Teschauer zu geben. Sie ist Mitarbeiterin in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit am Konsulat der Vereinigten Staaten in Leipzig.

Der deutsch klingende Name täuschte ein wenig über ihre Herkunft hinweg. "Ich bin in New Jersey geboren und damit eine waschechte US-Amerikanerin. Aber ich habe, wie übrigens viele meiner Landsleute, deutsche Wurzeln", sagte die 46-Jährige. Etwa zehn Mal pro Jahr verlässt sie ihren Schreibtisch, um Schülern an Schulen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt realistische Eindrücke über die USA zu vermitteln. Scherzhaft meinte sie: "Es geht mir darum, den jungen Leuten begreiflich zu machen, dass die Simpsons nicht die wahre USA darstellen, sondern nur eine fiktive Zeichentrickfamilie sind." Außerdem wollte sie bei dieser Gelegenheit gleich noch mit ein paar Vorurteilen aufräumen. Unter anderem damit, dass sämtliche Amerikaner Waffennarren sind, auf der anderen Seite alle Deutschen immer nur Bier trinken, Bratwurst essen sowie sich jeden Tag an Kaffee und Kuchen laben. "Sich gegenseitig besser zu verstehen, den Alltag, die Kultur, aber auch die Probleme einer anderen Nation zu kennen, sind Grundvoraussetzungen der Völkerverständigung."

Obwohl Kirsten Teschauer perfekt deutsch spricht, hielt sie sich vor den Zehnt- bis Zwölftklässlern damit zurück. Stattdessen war Englisch und damit Ohrenspitzen angesagt. Annamaria Meidl hatte damit keine Probleme. "Ich verstehe fast alles, ausgenommen ein paar spezielle Ausdrücke, aber die halten sich in Grenzen und werden von Frau Teschauer meist gleich erklärt", sagte die 16-Jährige. Die Idee, aus kompetenter Quelle einmal mehr über die Staaten zu erfahren, fand sie toll. Ein wenig überraschend war für sie, mit welchen Klischees die Deutschen in den Augen der USA-Bürger behaftet sind.

Englischlehrerin Martina Deutscher dürfte sich freuen, dass sie mit diesen ungewöhnlichen Unterrichtsstunden offensichtlich den Nerv der Masse der Gymnasiasten getroffen hatte. "Es geht uns nicht nur um die Vertiefung der englischen Sprache. Mit solchen Veranstaltungen möchten wir das schulische Leben bereichern und die Jugendlichen zugleich an Sachen heranführen, die über den reinen Unterrichtsstoff hinausgehen", sagte sie. Ergänzend fügte die Lehrerin hinzu, dass es immerhin ein halbes Jahr gedauert hat, bis der Termin für den Besuch von Kirsten Teschauer am Motteler-Gymnasium endlich feststand. "Aber es hat sich wirklich gelohnt und sicherlich auch so manchem Schüler einiges an neuen Erkenntnissen gebracht."

 
erschienen am 09.02.2012 ( Von Andreas Wohland )
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