Die Tage des Feierabendheimes in Gesau sind gezählt. Die Stadt hat die Abrissbirne bestellt.
Foto: Andreas Kretschel
Feierabendheim in Gesau wird nur platt gemacht
Marodes Haus soll verschwinden - Schutthaufen bleibt
Glauchau/OT Gesau. Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) geht bei der Beseitigung eines Schandfleckes, der sich in Privatbesitz befindet, ungewöhnliche Wege: Der Rathauschef hat den Abriss des einsturzgefährdeten Feierabendheimes an der Meeraner Straße im Glauchauer Ortsteil Gesau beauftragt.
Die Abbruchmaterialien sollen im Anschluss aber auf dem Grundstück liegen bleiben. "Wir wollen dem Eigentümer kein fertig beräumtes Grundstück hinterlassen. Deshalb haben wir diese Entscheidung, die sicherlich für Fragen sorgen wird, getroffen", sagte Peter Dresler am Montagabend zur Sitzung des Ortschaftsrates. Ortsvorsteher Jürgen Rödenbeck (parteilos) ist über die Vorgehensweise nicht besonders glücklich. "Es besteht die Gefahr, dass sich die Fläche zu einer Müllhalde verwandelt. Ich kann aber auch die Gedanken des Oberbürgermeisters verstehen", sagte Rödenbeck.
An dem Gebäude, das seit der Wende leer steht, hat in den vergangenen Jahren der Zahn der Zeit genagt. Mittlerweile besteht sogar die Gefahr, dass Teile der Mauern in den benachbarten Bach rutschen, schätzten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung ein. Deshalb seien die Hausbesitzer aufgefordert worden, ein Unternehmen mit den Abrissarbeiten zu beauftragten. Dieser Forderung kamen die Hauseigentümer laut Dresler bis zum 22. Juni aber nicht nach. Deshalb beauftragt die Kommune nun eine Abrissfirma und will sich das Geld anschließend von den Besitzern des Hauses wieder zurück holen. Die Höhe der Kosten nannte er nicht. Mit dem Abriss kommt die Stadt ihrer Pflicht nach, einen Gefahrenherd zu beseitigen. Vom Schutthaufen gehe keine Gefahr aus, die Stadt ist somit nicht mehr in der Pflicht.
Das Haus an der Meeraner Straße, das nun verschwindet, hat eine wechselvolle Geschichte. Sie wird von Ortschronist Rolf Scheuer unter anderem in den Veröffentlichungen des Bürgervereins dokumentiert. An dem Standort befand sich mit dem "Schönburger Hof" lange ein beliebter Gasthof. Im Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Lokal eine Orchesterschule. Die Räume der Musikschule sind sogar zeitweise von Kindern aus Gesau für den Unterricht genutzt worden. Ab September 1947 war das Haus ein Pflegeheim. Damals standen 42 Plätze zur Verfügung. Der Umbau zum Wohnhaus wurde 1972 abgeschlossen. 40 Jahre später erfolgt nun der Abriss.

