Kartoffelfeld Im Kartoffelfeld in Köthel sieht man: Wasser bahnt sich seinen Weg.

Foto: Wiegand Sturm

Bauern kommen Anwohnern entgegen

Auf Feldern mit großem Gefälle sollen künftig Gras und Getreide wachsen

Schönberg. Schönberg. Die Agrargenossenschaft Schönberg hat viel Schelte abbekommen nach dem Unwetter am 31. Mai. Dabei hatte es sie selbst böse erwischt. Ein Allheilmittel, um ein solches Unglück zu verhindern, hat Vorstandsvorsitzender Günter Meyer nicht. Meyer: "Ziehe ich bei dem einen einen Graben, säuft der andere ab." In punkto Fruchtfolge wollen die Bauern jedoch etwas ändern: In unsicheren Bereichen sollen künftig Gras und Getreide statt Kartoffeln wachsen.

Meyer hatte eine Anzeige auf dem Tisch. Das Umweltamt habe der Genossenschaft jedoch bescheinigt, dass sie keine Fehler gemacht hätte. "Sicher sind einige da anderer Meinung, das müssen wir aushalten. Und wir bedauern die, die es in Köthel hart getroffen hat." Nur schimpfen andere lauter.

Meyer zufolge gab es im Frühjahr durchaus Überlegungen, die kritisierten Dämme anders anzulegen. Um die Fahrgasse für eine mögliche Bewässerung günstiger zu gestalten, hatten sich die Feldbauern jedoch für die Längs-Variante entschieden. Bis auf eine Parzelle, wo die Dämme quer angelegt wurden. "Dort ist der Schaden verheerend: In einer 2,50 Meter breiten Schneise schoss das Wasser nach unten."

Wo es sehr steil war, hatten die Landwirte vorsorglich Mais angebaut. "Der ist genauso ausgespült worden. Auch Hafer hat nicht gehalten." Gleich nach dem Unglück das Feld umzugraben, wäre angesichts der Wetterprognosen grundfalsch gewesen. "Wenn Erde frisch bearbeitet wird, besteht immer Gefahr."

Die Personalstärke der Genossenschaft liegt zwar bei 100 Mitarbeitern, doch sind die in der Krise keineswegs alle verfügbar, erklärt Meyer. "Ein großer Teil unserer Leute ist immer in Arbeit, 19 Mann arbeiten dreischichtig in der Milchviehanlage, drei im Jungviehstall." Auch die Mitarbeiter im Schweinestall könne er nicht einfach rausschicken.

Als die Nachwehen der Flut am 28. Juni 2009, bei der Schönberg schon einmal so arg getroffen wurde, beseitigt waren, dachten die Genossenschaftler nicht an eine so baldige Wiederholung. Nun aber ist Meyer davon überzeugt, dass öfter mit Extremen zu rechnen ist. Bei der Bauernverbandstagung in Dresden hörte er die Kollegen aus Ostsachsen über Dürre klagen. Bis Juni seien dort 120 Liter Niederschläge auf den Quadratmeter gefallen.

"Das ist bei uns in einer Dreiviertelstunde runter gekommen." 116 Liter sollen am 31. Mai in Schönberg gefallen sein. Meyer zufolge müssen sich die Menschen darauf einstellen, dass das Wetter verrückt spielt. "Wir wollen versuchen, einiges besser zu machen." Doch müsse mehr passieren. "Wir brauchen Wasserrückhaltegebiete, wo es nur geht." Die Bäche müssen frei sein, Teiche entschlämmt werden, Material, das in Bachnähe lagert, verschwinden. Meyer ärgert sich über mangelnde Unterstützung der Behörden. "In meinen Augen waren Menschenleben in Gefahr."

Häuser in Senken zu genehmigen, war seiner Meinung nach unklug. Aber passiert ist passiert. Und wer das Dorfleben will, muss mit der Landwirtschaft leben, sagt Meyer.

 
erschienen am 18.07.2011 ( Von Uta Pasler )
 
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