Dennheritzer Agrarproduktion bei Niederschindmaas Wintergerste hat die Dennheritzer Agrarproduktion bei Niederschindmaas gedroschen. Früher erstreckte es sich auch über die Flächen, auf denen inzwischen das Gelenkwellenwerk und VW Mosel stehen.

Foto: Wiegand Sturm

Bauern verlieren immer mehr Anbaufläche

Felder verschwinden unter Gewerbe- und Wohngebieten sowie Straßen - Landwirt wünscht sich mehr Achtung vor Acker- und Grünland

Zwickau/Dennheritz. Zwickau/Dennheritz. Früher zogen die Mähdrescher auf dem Feld am Rande von Niederschindmaas zur Ernte auf 2200 Metern Länge ihre Bahnen. Heute sind es laut Joachim Ranft, Geschäftsführer der Dennheritzer Agrarproduktion, nur noch 1800 Meter. "Der Rest ist mit Gelenkwellenwerk und VW bebaut worden und für uns verloren", sagt er.

Ranft weiß, dass die Ansiedlung der Autoindustrie in der Region nach der Wende wichtig war, Arbeitsplätze geschaffen hat. "Doch wir Landwirte verloren wichtige Anbauflächen. Bewirtschaftete unser Betrieb zur Wende 3000 Hektar, so sind es jetzt noch gut 2200." Etliche Hektar gingen an Wiedereinrichter oder wurden von der Treuhand verkauft. Sie blieben der Landwirtschaft erhalten. Aber der größte Anteil sei durch den Bau von Gewerbe- und Wohngebieten, Straßenbau sowie Kiesabbau für die Produktion von Lebensmitteln verloren, bedauert der Geschäftsführer.

Der Betrieb hat kaum eigenes Land. "98 Prozent der Fläche sind gepachtet. Und wenn die Pächter verkaufen, gucken wir in die Röhre. Einen Ausgleich gibt es für uns nicht." Ranft berichtet, dass inzwischen Ställe nicht mehr sinnvoll betrieben werden können, weil die nötige Anbaufläche in der Nähe fehlt. Die Bullenmast wurde eingestellt, die Milchviehanlage von 1930 auf 1000 Tiere reduziert. "Hatten wir vor der Wende mehr als 600 Arbeitskräfte, so sind es jetzt noch 100", macht er deutlich.

Der Landwirt wünscht sich einen verantwortungsvolleren Umgang mit Acker- und Grünland. So hat er kein Verständnis dafür, dass die Stadt Meerane in Waldsachsen auf 26 Hektar ein Gewerbegebiet erschließen will, obwohl im bisherigen Flächen frei sind. "Das Glauchauer Gebiet nebenan ist sogar nur zu 75 Prozent ausgelastet", sagt er. "Mir fehlt jemand, der oben drüber sitzt und sagt: Ehe nicht die leeren Flächen in Glauchau, Meerane und Zwickau bebaut sind, werden keine weiteren Felder zunichtegemacht. Ich kann doch auch nicht sagen: Reißt das hier weg, ich will Kartoffeln anbauen."

Im Dezember 2009 sei an den Meeraner Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) und an Landrat Christoph Scheurer (CDU) ein Schreiben gegangen, in dem Landbesitzer per Unterschrift dokumentieren, dass sie ihre Landwirtschaftsflächen in Waldsachsen nicht verkaufen wollen. Das habe nichts bewirkt. Zur Bürgerfragestunde der Meeraner Stadtratssitzung im Januar hat Ranft auf seine Probleme mit dem geplanten Gewerbegebiet in Waldsachsen aufmerksam gemacht, am 23. Juni dem Bürgermeister eine Dokumentation über freie Gewerbeflächen zugesandt. "Außer der Eingangsbestätigung gab es keine Reaktion", resümiert er bitter.

Wie das statistische Landesamt informiert, sind die Landwirtschaftsflächen im Kreis Zwickau seit 1992 um 2632 auf 60.148 Hektar zurückgegangen. Weitere Projekte sind schon geplant, die die Felder noch mehr reduzieren.

 
erschienen am 26.07.2010 ( Von Viola Martin )
 
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