Im Waschhaus probieren sich die Geschwister Christiane, Miriam, und Lennart Baier aus, Gertraude Gentsch gibt Hinweise. 
Im Waschhaus probieren sich die Geschwister Christiane, Miriam, und Lennart Baier aus, Gertraude Gentsch gibt Hinweise.

Foto: Wiegand Sturm

Denkmaltag in Niederlungwitz: Gäste erleben Geschichte zum Anfassen

Zahlreiche Aktionen luden zum Erkunden und Erforschen des faszinierenden Werkstoffs Holz ein

Niederlungwitz/Glauchau. Christian Metzeroths und seine Helfer hatten am Sonntag keine Zeit, die Hände in den Schoß zu legen. Im Sägewerk, in der Mühle, in der Stellmacherei oder in der Schusterstube gab es reichlich zu tun - zur Freude der Besucher. Die ersten Gäste konnten den Spaziergang durch die Vergangenheit kaum erwarten und fanden sich bereits eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit ein, sagte Angelika Grau, Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins "Schönburger Land".

Der Verein unterstützte Mühlenbesitzer Christian Metzeroth, der am Sonntag Einblicke vom Erdgeschoss bis zum Dach des 500 Jahre alten Gemäuers gab. Mit acht Helfern machte sich der Verein zudem im alten Waschhaus, an der Wäschemangel oder auf dem Dachboden nützlich. Bei Gertraude Gentsch dampfte am Vormittag bereits der Waschkessel.

"Wir wollen vor allem den jungen Leuten zeigen, wie mühevoll das Wäschewaschen früher war", sagte die 56-Jährige, die Waschbrett, Wringmasche und Holzzuber noch aus eigenem Erleben kennt. Wir waren sieben Kinder. Bei uns zu Hause dauerte die große Wäsche immer drei Tage", erinnert sie sich. Die 13-jährige Christiane Baier aus Niederlungwitz ist froh, dass diese Zeiten Geschichte sind. "Das möchte ich nicht machen", sagte sie lachend, nachdem sie ein Leinenhandtuch mit Kernseife auf dem Waschbrett traktiert hatte. Eine Etage tiefer war Regina Winkler beim Wäscherollen anzutreffen. Immer wieder bestückte sie die Kaltmangel, um die Haushalt- und Leibwäsche tipptopp zu glätten. "Eigentlich sind es stets die gleichen Kommentare, die ich von Besuchern höre", erzählt sie. "Entweder fanden sie das Wäscherollen als Kinder schön oder schrecklich." Rosita Heyer aus Glauchau gehört zu Letzteren. "Ich fand es furchtbar, wenn mich meine Mutter mit zum Rollen nahm", bekennt sie. Heute besitzt sie eine elektrische Wäscherolle und findet die Haushalthilfe super. Yvette Schubert aus Glauchau nahm sich mit ihrer dreijährigen Tochter Elena viel Zeit für ein Erleben der Vergangenheit. "Es gibt hier nicht nur etwas zu sehen, sondern die Kinder können altes Handwerk auch ausprobieren", zeigte sie stolz ein Holz-Frühstücksbrettchen, dass die Dreijährige unter Anleitung des Tischlers bearbeiten durfte. Am Ende des Tages hatte Christian Metzeroth etwa 150 Holztaler verteilt. Diese Nussbaumscheibe erhielt bei ihm jeder Erwachsene als Erinnerungsstück an den Denkmaltag 2012. Zusammen mit den Kindern waren es etwa 300 Besucher, schätzte er. Insgesamt viermal führte er Gruppen durch die Mühle vom Keller bis unters Dach und erklärte die Geschichte, die die funktionstüchtige Mühle aufzuweisen hat.

120 Besucher steuerten die Kapelle St. Marien des Museums und Kunstsammlung Schloss Hinterglauchau an, zog Museumsdirektor Steffen Winkler am Sonntag eine positive Bilanz. Die Kapelle hat zum Werkstoff Holz, dem Thema des Denkmaltages, bemerkenswerte spätgotische Skulpturen beizusteuern. So namhafte Künstler wie Peter Breuer, Jacob Naumann und Franz Geringswald bringen dem Betrachten die Kunst der 15./16. Jahrhunderts nahe.

 
erschienen am 09.09.2012 ( Von Doris Gey )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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