In der Nacht zum vergangenen Donnerstag ist ein massiv gemauertes Gartenhaus bis auf die Grundmauern niedergebrannt. 26 Feuerwehrleute waren allein bei diesem Brand im Einsatz.
Foto: Feuerwehr
Feuerteufel treibt sein Unwesen
Immer wieder brennt es in Glauchaus Unterstadt - Brandstiftungen häufen sich seit Oktober vergangenen Jahres
Glauchau. Das Geräusch des Piepsers reißt die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr in Glauchau regelmäßig aus dem Schlaf. Der Feuerteufel, der in der Unterstadt unterwegs ist, schlägt immer wieder im Schutz der Dunkelheit zu. Die Brände werden stets zwischen 2 und 7 Uhr gelegt. Vor allem in Gartenlauben und leer stehenden Gebäuden lodern die Flammen. Zudem brannte es in einer Recyclinganlage.
Für die Ermittler der Kriminalpolizei steht bei einem Blick auf die aktuelle Serie fest: Es handelt sich um Brandstiftungen. Bisher fehlt den Beamten aber eine heiße Spur. "Die Ermittlungen stehen noch am Anfang und gestalten sich schwierig. Die Spurenlage ist nicht eindeutig. Wir ermitteln in alle Richtungen und können derzeit nichts ausschließen", sagt Antje Dietsch, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Zwickau.
Die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge hat bisher darauf verzichtet, eine Sonderkommission zu bilden. Aber: Der Streifendienst wirft nach Angaben von Polizeisprecher Frank Fischer ein besonderes Auge auf das Gebiet an der Aue- und Meeraner Straße.
"Bei den Leuten in unserem Stadtteil herrscht Verunsicherung. Es ist erschreckend, dass ein Feuerteufel sein Unwesen treibt", sagt Rolf Heret, Vorsitzender des Vereins Haus und Grund. Heret, der selbst in der Unterstadt wohnt, findet, dass Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) zuletzt mit der Aussage "In Glauchau läuft irgendein Idiot herum" die passenden Worte gefunden hat. Heret: "Der Einschätzung schließe ich mich an."
Zu den Opfern der Brandserie gehört Steffen Schnabel. In der vergangenen Woche ist sein 25 Quadratmeter großes und massiv gemauertes Wochenendhaus bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Das Areal an der Oberen Muldenstraße war ein Lebensmittelpunkt des 39-jährigen Mannes. Die Flammen haben auch Spielzeug und Kinderbücher seines dreijährigen Sohnes Finley vernichtet. "Das war Brandstiftung", sagt das Opfer. Die Kleingartenanlage "Adlerwiese" war bereits im Herbst 2011 betroffen. Stefan Klein, Chef der 264 Parzellen zählenden Anlage, kann in den Wintermonaten nur mit wenigen Laubenpiepern sprechen. "Wir hoffen, dass die Ermittler der Polizei die Brandserie endlich aufklären können", sagt Klein.
In Glauchau treibt nicht zum ersten Mal ein Feuerteufel sein Unwesen. Das Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal hatte erst im August 2011 in einem Mammutprozess einen Fertigungsmechaniker wegen 15-facher Brandstiftung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der Angeklagte hat Berufung eingelegt. Damit wird der Fall wahrscheinlich im Mai am Landgericht in Zwickau neu aufgerollt.
In dem Verfahren geht es um Brände, die zwischen September 2008 und November 2009 gelodert haben. Der Sachschaden belief sich auf 160.000 Euro. Interessant: Die Brandorte, an denen der Fertigungsmechaniker gezündelt haben soll, befanden sich stets in der Oberstadt. Andere Feuer der vergangenen Jahre in der Unterstadt konnten dagegen bislang nicht aufgeklärt werden. "Natürlich werden Parallelen zu den Taten in der Unterstadt gesucht. Sie drängen sich jedoch nicht auf", informiert Staatsanwältin Antje Dietsch.


