Klettern im Efeu Klettern im Efeu: Heiko Stockburger, Mitarbeiter einer Forstfirma, erklimmt im Meeraner Stadtpark einen Baum, um ein Stahlseil zu befestigen. Anschließend zieht ein Schlepper das Seil straff. Mit der Kettensäge wird der Fällschnitt angesetzt, damit der Baum in die gewünschte Richtung fällt.

Foto: Wiegand Sturm

Forstarbeiter leisten Schwerstarbeit im Meeraner Stadtpark

120 teils massive Bäume müssen beseitigt werden

Meerane. Die Geräuschkulisse im Meeraner Stadtpark ist momentan zur Erholung wenig geeignet. Ein Hacker kreischt, das aggressive Motorengeräusch der Kettensägen rauscht in den Ohren, und hin und wieder fällt ein mehrere Tonnen schwerer Baum nach einem lauten "Achtung!" mit dumpfem Aufprall zu Boden. Seit vergangenem Freitag wird am südlichen Ende des Stadtparks eine bis zu 20 Meter breite Schneise geschlagen, nachdem vor nunmehr zwei Wochen eine Roteiche auf eine Laube im benachbarten Kleingarten gefallen war und einen Kleingärtner verletzt hatte.

Die Stadt Meerane hat den Stadtpark bis auf Widerruf gesperrt und die dringenden Forstarbeiten mit Verweis auf Gefahr im Verzug in der vergangenen Woche in Auftrag gegeben. 120 Laubbäume sollen gefällt werden, die meisten davon direkt an der Kleingartenanlage Obst- und Gartenbau, einige rund um die Wiese des Stadtparks.

Sicherheit geht vor

Thomas Haußner (36) von einer Eibenstocker Forstfirma ist der Mann an der Kettensäge. "Das ist schon ganz schön schwierig", sagt er über seinen Job. Die Bäume seien manchmal faul, und der Schnitt muss genau sitzen. Eine etwa 120 Jahre alte Rotbuche neigt sich gen Licht und damit in Richtung der Kleingartenanlage. Und genau gegen diese Neigung muss der Schlepper das Stahlseil ziehen, damit der Baum in den Wald fällt. "Wir müssen immer nach oben gucken, ob nicht doch noch ein Ast kommt", sagt Heiko Stockburger (34), der zuvor das Stahlseil in etwa sechs Metern Höhe um den Baum gelegt hat.

Prompt wird von dem fallenden massiven Baum ein weiterer in Mitleidenschaft gezogen. Der trägt kein rotes Kreuz, das ihn als nicht standfest ausweist. "Den machen wir aber noch mit weg, Sicherheit geht vor", sagt Firmenchef Ulrich Zitterbart (60) und zeigt auf den abgebrochenen Ast in der Krone. Einige Spaziergänger scherten sich zu diesem Zeitpunkt nicht um die weiträumige Absperrung des Parks. "Das ist lebensgefährlich", sagt Zitterbart. "Die Sicht in den Wald ist eingeschränkt und wir können während der Forstarbeiten nicht überall Posten abstellen." Währenddessen tropft Daniel Hegel (26) der Schweiß unter dem Helm hervor. Er muss mit einem Kollegen die gefällten Bäume zersägen und von Ästen befreien. Auch sie leisten Schwerstarbeit in Schutzausrüstung. Zwei Liter Wasser seien seine tägliche Ration.

Weitere Fällaktion im Herbst

Ähnlich schweißtreibend sind die Aufgaben der drei Mitarbeiter einer Bernsdorfer Firma, die rund um die Parkfläche etwa zehn Bäume gefällt haben. Sie häckseln die Äste der zuvor gefällten ausgewachsenen Bäume mit einem lautstarken Hacker, der vor einem Unimog montiert ist.

Etwa 50 Bäume haben derweil neben dem roten Kreuz ein dunkelrotes "H" aufgesprüht bekommen. Sie sind im Herbst im wahrsten Sinne des Wortes fällig. Dann ist auch das Holz trockener und kann besser verkauft werden. Für die laufenden Arbeiten sind nach Zitterbarts Rechnung etwa drei Wochen vonnöten.

 
erschienen am 23.07.2012 ( Von Konrad Rüdiger )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 24.07.2012
    19:06 Uhr

    finnas: Mich interessiert einmal die Frage, was denn eher da war, der Park oder die Kleingartenanlage. Wenn der Park eher da war, dann ist es zwar richtig, kranke und umsturzgefährdete Bäume zu fällen weil das auch unabhängig von den Gärten geschehen muß, alle anderen Bäume aber sollten stehen bleiben. Eine grundsätzliche Reduzierung der Parkfläche zugunsten einer Kleingartenanlage halte ich für falsch.

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