Im Juni 2009 wurde das Kunsthaus am Markt eröffnet. Ob der Brunnen einmal direkt davor stehen wird, ist derzeit noch offen.
Foto: Wiegand Sturm
Geld für Marktbrunnen versickert spurlos
Meeraner Stadtrat gibt 1903 Erweiterung des Rathauses den Vorrang - Fördergemeinschaft und Verwaltung nehmen zweites Projekt in Angriff
Meerane. Meerane. Nur zwei Künstler aus der Region haben ihre Gestaltungsvorschläge für den künftigen Marktbrunnen, den die Fördergemeinschaft "Mehr Meerane" und Stadtverwaltung entstehen lassen wollen, eingereicht. Die Fördergemeinschaft hatte eigens einen Wettbewerb dafür ausgeschrieben. Die Vorschläge werden nun geprüft und zu gegebener Zeit den Bürgern vorgestellt, informierte die Vorsitzende, Annemarie Friedrich, etwas enttäuscht, zum weiteren Werdegang.
Nachgedacht werde noch einmal über den Standort. Statt in der Nähe des Kunsthauses, wie ursprünglich vorgesehen, sei die Mitte des Marktplatzes nun doch nicht mehr auszuschließen, war von Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) zu erfahren. Dafür müsse der Kandelaber weichen. Ende April/Anfang Mai werde eine Entscheidung getroffen, die dann im Stadtrat und mit den Meeranern diskutiert wird.
Es ist das zweite Marktbrunnenprojekt in der 836-jährigen Geschichte der Stadt, das in Angriff genommen wird. Das erste sprudelte nur kurze Zeit. Der Meeraner Fabrikant Wilhelm Wunderlich hatte in seinem Testament festgelegt, dass für 24.132Mark ein monumentaler Brunnen gebaut werden soll. Der damalige Stadtrat gab auch zwei Projekte in Auftrag. Am 31. August 1903 beschlossen die Stadträte allerdings, das Vorhaben zurückzustellen. Der Grund: Die Abgeordneten gaben der Erweiterung des Rathauses den Vorrang. Dafür wurden in der Marienstraße auch Flächen gekauft. Diese Pläne machte der 1.Weltkrieg zunichte. Das Geld aber war weg, bis heute sei nicht herausgefunden worden, wo es abgeblieben ist. "Wir gehen davon aus, dass es für andere Zwecke ausgegeben wurde", ist die Vermutung vom Bürgermeister.
Meerane besitzt einen Brunnen, den Weberbrunnen. Aber auch das war ursprünglich einmal eine Schöpfstelle, weiß Ungerer. Davon gab es 65 in der Stadt, eine stand auf dem Marktplatz. Entstanden sind sie als Folge des Baus von Wasserleitungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Fünf Stränge führten in die Innenstadt, sie mündeten in unterirdische Sammelstellen, von denen die Bürger ihr Wasser für den täglichen Bedarf schöpften. Doch nach und nach "versiegten" diese Quellen, und zwar auf behördliche Anordnung. Die Wasserqualität war zu schlecht und so verschwanden sie ab 1888 aus dem Stadtbild. Um 1900/1901 wurde die Schöpfstelle auf dem Markt abgebaut, geblieben bis auf den heutigen Tag ist die Zisterne.
Auch wenn der künftige Brunnen keinen praktischen, sondern ausschließlich einen verschönernden Zweck und Erholungseffekt hat, kann die Zisterne nicht genutzt werden. Seit Juli vergangenen Jahres wird auch für diesen Fall Trinkwasserqualität gefordert. Das sei kein Problem, ein zweites Mal werde das Projekt nicht scheitern, ist Ungerer zuversichtlich.


