Superintendent Glauchau Peter Hess mit Ehefrau Doris.Foto: Wiegand Sturm
Kirchenmann setzt auf direkten Draht
Superintendent Johannes Jenichen bleibt neuem Schreibtisch fern
Glauchau. Es ist ein durchaus angenehmer Ort zum Arbeiten: Vom Kirchplatz mitten in Glauchau aus leitet Johannes Jenichen künftig die Geschicke von 56 Kirchgemeinden und rund 48.000 Gläubigen. Die evangelisch-lutherischen Kirchenbezirke von Glauchau und Rochlitz sind zum Jahresanfang vereint worden. Der bisherige Glauchauer Superintendent Peter Hess ist in den Ruhestand gegangen und mit seiner Frau zurück in seine brandenburgische Heimat gezogen. Jetzt führt Jenichen die Geschicke in einem Gebiet, das sich von Waldsachsen bei Meerane im Westen bis nach Seifersbach bei Mittweida im Osten erstreckt. Die Kirchgemeinde Rödlitz-Heinrichsort markiert den südlichsten Punkt, der Norden liegt bereits im Kreis Leipziger Land.
Ob Jenichen Bange ist vor diesem großen Gebiet? Immerhin leben dort gut doppelt so viele Gläubige, wie er bisher von Rochlitz aus zu betreuen hatte. "Nein", sagt Jenichen. "Ich mache die Arbeit ja schon seit 15 Jahren. Jetzt bin ich neugierig auf das neue Gebiet, das mich erwartet."
Das Arbeitszimmer des 58-Jährigen liegt im zweiten Stock direkt neben seiner künftigen Wohnung. Die Glocken der nahen St. Georgenkirche hört er von dort aus ganz genau. Allerdings: An seinem ersten offiziellen Arbeitstag hat Jenichen an seinem Schreibtisch noch gar nicht Platz genommen. Er fuhr statt dessen gleich nach Meerane und St. Egidien, um sich einen ersten Eindruck vor Ort zu verschaffen - und den direkt Draht zu den Schäfchen und Kirchenverantwortlichen zu pflegen. "Überhaupt sitze ich nur wenig am Schreibtisch", sagt Jenichen, der bis zuletzt als Superintendent des bislang eigenständigen Kirchenbezirks Rochlitz gearbeitet und dort in der Muldestadt Silvester noch einen Gottesdienst geleitet hat. "Die Stadt Glauchau muss ich erst noch erkunden", fügt er hinzu, lobt gleichzeitig das "schöne Ensemble" des Kirchplatzes. "Glauchau ist größer als Rochlitz und ich rechne damit, dass es viel mehr Aktivitäten gibt. Das bringt Schwung und Leben", sagt Jenichen optimistisch.
Eine leichte Aufgabe übernimmt Jenichen nicht - macht doch die demografische Entwicklung weder vor der Region noch vor den Gläubigen halt. 1996, als er in Rochlitz angefangen hatte, gab es im dortigen Bezirk noch 33.000 Gläubige. Heute sind es knapp 23.000. "Die Entwicklung in Glauchau ist ähnlich", sagt Jenichen. Nicht zuletzt deshalb wurde auch der neue Groß-Kirchenbezirk geschaffen. 40 Stellen für Pfarrer und Pfarrerinnen gibt es aktuell, teilweise wird auf 50-Prozent-Stellen gearbeitet. Von den 19 Stellen im Raum Glauchau seien derzeit zwar alle besetzt. "Aber im Jahresverlauf wird es Veränderungen geben", weiß Jenichen aus Gesprächen mit Pfarrern. "Nach zehn Jahren an einer Stelle sollte man ruhig wechseln." Nachwuchssorgen habe er indes nicht. "Es ist machbar, neue Leute zu finden." Die Zahl der Frauen wachse wohl auch in Zukunft stetig - derzeit sei mehr als die Hälfte der Theologiestudentinnen weiblich.
Jenichen bezieht am 20. Februar seine neue Wohnung in Glauchau. Eine kleine Dachwohnung in Rochlitz will die Familie behalten - damit seine Frau, die eine Grundschule in Seelitz leitet, nicht unbedingt nach Veranstaltungen abends noch so weit fahren muss. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder: Der Sohn (36) ist derzeit als selbstständiger Architekt auf den Philippinen. Die Tochter (32) ist Soziologin und arbeitet an einer Studie über die Uckermark.


