Im kleinen Saal der Stadthalle herrschte am Freitagabend dichtes Gedränge. Nach der Neujahrsansprache des Bürgermeisters trafen sich dort die Gäste zu guten Gesprächen und auf einen kleinen Imbiss. 
Im kleinen Saal der Stadthalle herrschte am Freitagabend dichtes Gedränge. Nach der Neujahrsansprache des Bürgermeisters trafen sich dort die Gäste zu guten Gesprächen und auf einen kleinen Imbiss.

Foto: Ralph Köhler

Komponist gibt Rückschau heitere Note

Programm zum Meeraner Neujahrsempfang weiß Besucher zu unterhalten

Meerane. "Gestatten, Bochmann, Werner Bochmann", begrüßte ein Herr mittleren Alters im feinen Zwirn, nebst runder Brille und pomadigem Haar am Freitagabend die zahlreich erschienenen Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie Vereinen im Werner-Bochmann-Saal der Stadthalle. Kein Narr, wer Thomas Gregor hinter der gelungenen Maskerade erkannte, sondern Kenner der Meeraner Faschingsszene.

Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) hatte den Präsidenten des Meeraner Carnevals Vereins (MCV) engagiert, um mit heiterer Note ins neue Jahr zu starten. Werner Bochmann (1900 bis 1993), in den goldenen 1930er-Jahren ein bekannter Komponist, ist schließlich ein gebürtiger Meeraner. Durch Bochmanns Rückkehr wurde die Rückschau des Bürgermeisters auf die vergangenen zwölf Monate eine amüsante Mischung aus Unterhaltung und Information. Unterstützt mit der Technik des 21. Jahrhunderts zogen noch einmal die Meeraner Meilensteine des Jahres 2011 am Publikum im Zeitraffer vorbei. Ein Jahr, in dem zwei Brücken abgerissen und wieder aufgebaut wurden und ein neuer Bahnhof entstand. Im flinken Wechsel spielten sich der Komponist Bochmann und der (Stadt-) Dirigent Ungerer die Bälle zu - zum Vergnügen des Publikums. "Meerane, deine Brücken, kommentierte Bochmann angesichts der zwölf Kilometer erneuerter Bahnstrecke und eines 145 Meter langen Bahnsteigs für rund 20 Millionen Euro. Was ihn von humorvollen Sticheleien nicht abhielt: "Aber die Menschen hatten auch ganz schön viel Stress, wenn man mal an die ganzen Umleitungen denkt."

Für die perfekte musikalische Überleitung sorgte die Vokalistengruppe Five Gentlemen. Die fünf Musiker setzten die Zeitreise zu Bochmann und seinen Zeitgenossen mit Titeln wie "Mein kleiner grüner Kaktus", "Nachts in der Taverne" oder schließlich Bochmanns Klassiker "Mit Musik geht alles besser" nahtlos fort und versetzten das Publikum in charmant humoristischer Manier ins Zeitalter der 1920er bis 1940er-Jahre.

Nicht nur Elisabeth Gast hatte ihre helle Freude daran. Sie war der Ehrengast des Abends. Der sächsische Justizminister Jürgen Martens (FDP) überreichte ihr die Bürgermedaille 2011 der Stadt Meerane. Seit knapp 60 Jahren engagiert sich die 80-Jährige ehrenamtlich im Roten Kreuz. Mit einem großen Helferteam organisiert sie seit 1992 die Blutspende in ihrer Heimatstadt. Seit dieser Zeit wurden in Meerane rund 8000 Liter Lebenssaft gespendet, würdigte Martens in seiner Rede das Wirken von Elisabeth Gast. Im vorigen Jahr konnten die Meeraner wieder einmal die 1000er-Marke knacken, exakt 1058 Spender fanden sich 2011 ein. "Das Rote Kreuz ist mein Leben", sagte sie am Rande der Veranstaltung. Das Engagement für die Organisation der Lebensretter wurde ihr quasi in die Wiege gelegt, denn schon der Großvater und Vater lebten es vor. Ganz schön aufgeregt sei sie gewesen, als sie die Auszeichnung entgegen nahm, gestand sie. Reich beschenkt fühlte sie sich übrigens nicht nur durch die Medaille. Auch die Musik der Five Gentlemen war ganz nach ihrem Geschmack. Einige der Titel, darunter auch Melodien Bochmanns, habe sie selbst auf dem Klavier nachgespielt, sogar vierhändig mit ihrer Freundin, erinnerte sie sich an ihre Jugend.

 
erschienen am 15.01.2012 ( Von Doris Gey )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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