Christian Fritzsche Christian Fritzsche, Sprecher einer Eigentümerfamilie

Foto: Ralph Köhler/Archiv

Landeigentümer: "Wir verkaufen nicht"

Bei der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets droht eine Hängepartie

Meerane. Derzeit ist noch das Landratsamt Zwickau am Zug. Dort wird momentan eine Satzungsänderung geprüft, mit der der Stadtrat Mitte Juni den Weg für eine Erweiterung des Gewerbegebiets an der B 93 frei gemacht hatte. "Mitunter kann dieses Verfahren bis zu einem Vierteljahr in Anspruch nehmen", teilt Ilona Schilk, Sprecherin des Landkreises, mit. Im Verlauf der nächsten zwei Monate könnte demnach das Votum des Landkreises vorliegen.

"Wir sollen büßen"

Auch wenn die Prüfung durch das Landratsamt positiv ausfällt, droht der Stadtverwaltung nach derzeitigem Stand bei ihrem Projekt eine Hängepartie. Denn ein Landeigentümer will seinen Grund offenbar nicht veräußern. "Wir verkaufen nicht", sagt Christian Fritzsche, der für seine Familie spricht. Dieser gehören nach eigener Angabe knapp zwei von 25 Hektar Fläche, auf der das Gewerbegebiet geplant ist. "Es hat den Anschein, als sollten wir Grundstückseigentümer dafür büßen, dass in der Vergangenheit große Fehler gemacht wurden", sagt Fritzsche. Er hatte mit einem Anlieger und dem Pächter der Flächen, dem Geschäftsführer der Dennheritzer Agrarproduktion, Joachim Ranft, eine Initiative ins Leben gerufen, die die Eigentümer dazu bewegen soll, ihr Land nicht zu veräußern. Ein großes Plakat kündet seit etwa zwei Wochen an der alten B 93 von dem Anliegen.

"Wir haben allein in Meerane seit der Wende etwa 250 Hektar Land verloren", sagt Ranft. "Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem wir nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können." Dem hält Bürgermeister Lothar Ungerer (parteilos) schriftlich entgegen, dass die Stadt Meerane Tauschflächen zur Verfügung stellen könne. Um welche Flächen es sich dabei handelt, wollte man im Rathaus auf Nachfrage nicht preisgeben, weil noch die Genehmigung des Landkreises ausstehe.

Zehn Eigentümer wären gefragt

Bei den eventuell anstehenden Verhandlungen mit Grundstückseigentümern setzt Bürgermeister Ungerer vorsorglich "auf die Vernunft der Eigentümer". Zwingen könne man die Landinhaber zum Verkauf nicht. Den Vorwurf der Initiative, dass die Stadt Meerane nicht ausreichend gesprächsbereit sei, weist Ungerer zurück, man sei stets zu einem Gespräch bereit.

An dieser Darstellung wiederum zweifelt Agrarproduktions-Chef Ranft stark. In der vergangenen Stadtratssitzung hatte er sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet und Bürgermeister Ungerer um Antworten auf dringende Fragen nach der Zukunft seines Unternehmens gebeten. Das hatte Ungerer mit Verweis auf die anschließende Diskussion abgelehnt.

Nach einem erneuten Treffen der Initiative am Donnerstag gibt sich Ranft wenig kämpferisch: "Wir harren der Dinge, die da kommen werden." Ob und wenn ja, wie viel Land sein Betrieb nicht mehr bewirtschaften kann, hängt letztlich von den Verhandlungen der Stadt mit den Eigentümern ab.

Zehn verschiedene Grundbesitzer sind es laut Ranft, die die Stadt dazu bewegen müsste, ihr Land zu verkaufen.

 
erschienen am 12.07.2012 ( Von Konrad Rüdiger )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
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  • 16.07.2012
    09:31 Uhr

    cds211218: Die Erweiterung der Gewerbegebiete Meerane/Crimmitschau entbehrt jeglicher Grundlage. Allein in Glauchau gibt es reichliche Flächen für Industrie- und Gewerbeansiedlung, sogar mit Anschlußgleis. Wo ist denn die viel gerühmte Zusammenarbeit zwischen Kommunen und der Blick über den Tellerrand. Und irgendwie hat man das Gefühl, daß die genehmigenden Behörden auch die Übersicht verloren haben. Große Worte auch bei der länderübergreifenden Arbeitsgruppe "Terra Plisnensis" zu Fragen der Kooperation. So hat beispielsweise Schmölln in Verbund mit Gößnitz ca. 30 ha freie Industrieflächen ...!

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  • 14.07.2012
    01:06 Uhr

    Nixe: Was stand denn in der Satzungsänderung?!...
    Gewerbegebiete sprießen wie Pilze aus dem Boden, ein Großteil geht in ein paar Jahren kaputt und steht leer.
    Gibt es denn keine bereits bebauten brachstehenden Flächen, die man dafür verwenden könnte!?
    Es muss ja auch nicht alles überall eingeschossig sein...
    Und interessant ist schon: woher kommen die neuen Flächen !??!
    Ich würde auch nicht verkaufen!! Land, besonders Heimatland, ist mehr als goldwert. Alles Gute!

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  • 13.07.2012
    16:52 Uhr

    monk2212: ich würde das land an ihrer stelle nicht verkaufen....

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